
Las Vegas: Wüste, Sonne, Hitze, amerikanisches Größer-Schneller-Mehr, Casinos, Glückspiel, leichte Mädchen, die Mafia, Sinatra, Elvis, Ed Deline, Wayne Newton, The Killers – man könnte die Liste endlos fortsetzen und würde sich, ohne Wiederholungen, irgendwann im Kreis drehen.
Das Loch ohne Boden in der Wüste Nevadas spaltet, genau so wie die Musik eines Sohnes der „sündigen Stadt“. Brandon Flowers, Frontmann der weltweit bekannten Retro-Popper The Killers, liebt oder hasst man. Sein Solodebüt, “Flamingo“ (benannt nach dem, wer würde es vermuten, berühmten Casino), steht nun in den Startlöchern, um eine zugegebenermaßen etwas unvermutete Sachlichkeit ins Thema zu tragen.
Die flamboyante Aufgesetztheit, die Bilder oder filmische Beiträge zum Thema The Killers/Brandon Flowers begleiten, ruft bei mir weiterhin einen unangenehmen Kotzreiz hervor. Es überrascht deshalb überaus, dass “Flamingo“ auch gar nicht mal wenige Songs enthält, die ohne den Schmink- und Style-Balast, den Flowers auf der Bühne und den roten Teppichen dieser Welt mit sich schleppt, auskommen. Ohne Glitzer geht es weder in Las Vegas, noch bei Brandon Flowers. Dass er trotzdem immer noch in der Lage ist, nur mit seiner Musik zu fesseln, zeigen Nummern wie “Magdalena“, “Welcome To Fabulous Las Vegas“ – pathetisch, flamboyant und hörenswert; etwas, was nur die wenigsten Killers-Stücke der letzten Jahre von sich behaupten können – oder “Jilted Lovers & Broken Hearts“. Kitschigen Bubble-Gum-Treibsand gibt es, für alle Unverbesserlichen, natürlich auch auf “Flamingo“ (z.B. “Hard Enough“ mit Jenny Lewis).
Ein Album, dass Las-Vegas-Hasser auch nicht vom Songwriter Brandon Flowers überzeugen wird, ist “Flamingo“ geworden. Trotzdem finden Menschen, die der Wüstenmetropole neugierig und positiv gegenüberstehen und die Killers dennoch für die größte Pest seit a-ha halten, im Verlauf der zehn Songs Momente, die einen vom Vorverurteilen wegreißen. Flowers hat ein Händchen für bunte Popsongs, dass er sich auf “Flamingo“ weniger an glorifizierte 80’s-Schandtaten anbiedert und lieber seiner Heimatstadt Las Vegas huldigt, ist die Stärke dieser Platte.
Für Menschen, die billige Hochzeiten mit Elvisimitator und hellblauen Anzügen für Teufelszeug halten, bleibt die Welt des Brandon Flowers ein Buch mit sieben Siegeln. Für die entspanntere – und trotzdem kritische – Hörerschaft ist “Flamingo“ massentaugliche, gut gemachte Popmusik eines Mannes, der sich mit seiner Neigung zur Selbstdarstellung im Killers-Kontext oft selbst im Weg steht. Von seinem Soloausflug kann man das nicht wirklich behaupten.
[Sascha Knapek]

