Kate Nash - My Best Friend Is You

- Polydor / Universal Music -


Wer in den nächsten Wochen eine Party schmeißt, Geburtstag feiert oder einfach nur ein paar Freunde zum Grillen einlädt, und das neue Album von Kate Nash auflegt, kann sich schon einmal auf ein Szenario einstellen, das sich ungefähr so entfalten könnte: Sobald Fräulein Nash mit dem Singen anfängt, wird es keine zehn Sekunden dauern, bis der erste Gast sagen wird: „Hey, das ist doch die, die nach Oslo fährt. Die ist voll lustig und endlich mal anders als der Rest. Sehr cool, dass sie beim Raab gewonnen hat. Ich hab‘ jede Sendung geguckt.“

Dass vor allem Menschen, die ihre Musiktipps aus Grobschnittformaten von RTL, Pro7 oder der Öffentlich Rechtlichen geliefert bekommen Kate Nash mit Lena Meyer-Landrut verwechseln werden, ist vorprogrammiert. Nette Menschen mit einem Hauch Ahnung werden davon reden, dass Nash das große Vorbild von Lena ist. Diejenigen, die Sachen lieber beim Namen nennen, werden sagen, dass die Unser-Star-für-Oslo-Gewinnerin im Grunde einfach nur kopiert und, sollte es mit der eigenen Karriere doch nichts werden – und falls Kate Nash mal zum Megastar aufsteigen sollte –, die Kate-Nash-Tribute-Band, die Lena verpflichten kann, schnell ausgesorgt haben dürfte.

Schon komisch, dass Kate Nash seit über drei Jahren etwas Eigenes und Frisches durchzieht und dann eine deutsche Castingshow kommt und die Gewinnerin für ihre „Andersheit“ und die unkonventionelle, frische Art und Weise des Vortrags an allen Ecken und Enden in den Himmel gelobt wird. Aber da die Menschen in der wechselnden (Fach-)Jury schon Probleme mit den Namen Paolo Nutini, Jason Mraz und Regina Spektor hatten, kann man wohl nicht erwarten, dass jeder glorifizierte DSDS-Konvertit und Raab-Gucker Kash Nate kennt. Leider.

“My Best Friend Is You“ ist das lang erwartete zweite Album der 22-jährigen Engländerin. Für den deutschen Markt kann man ihr perfektes Timing bescheinigen, liegt mit solchen Berechnungsgedanken allerdings meilenweit von der Wahrheit entfernt. Nash ist Teil der „neuen, englischen Frauenbewegung“ (bezogen auf Musik) und festigt dankt 13 exzellenter Popsongs ihren vordersten Platz. Wie sehr sich junge Mädchen mit so etwas identifizieren können, sieht man an Meyer-Landrut. Kate Nash und ihre Kumpaninnen wie Florence Welch (Florence & The Machine) machen gerade neue Türen auf, durch die ihnen viele andere Acts folgen werden. Verwerflich ist das nicht, im Gegenteil. Nur sollte man bei all dem Hype nicht vergessen, wem man den eigenen Stil zu verdanken hat, wenn dieser hörbar nicht plötzlich vom Himmel gefallen ist.

Woran man den Unterschied zwischen Original und Kopie erkennt? Zuerst ist da mal der Akzent. Nash spricht ihn schon ihr ganzes Leben, Lena übt ihn wohl erst seit ein paar Jahren. Deshalb rutscht die 18-jährige öfter auch mal vom sophisticated Cockney in amerikanische und deutsche Aussprachmuster englischer Worte. Die größte Differenz liegt allerdings in der Qualität der Songs und im Sound. Hörte sich Meyer-Landrut Liveversion von “Satellite“ noch erfreulich organisch an, ist die Studioausgeburt vom typisch deutschen Konservenklang gekennzeichnet, den man von Anastacia bis Silbermond kennt. Bei Kate Nash hört sich ein Schlagzeug auch an wie ein Schlagzeug. Verkappte Drumcomputer verbannt man auf “My Best Friend Is You“ ins Exil (irgendwo in der Nähe von Oslo). Nicht nur deshalb ist Kate hörenswerter als Lena. Das Original ist einfach immer besser, da kann die Kopie noch so (zugegebenermaßen) unterhaltsam und gut sein.
[Sascha Knapek]

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April 28, 2010

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