
Das zweite Album bedeutet für Musiker oft nicht nur eine Bestehensprobe, sondern auch eine Besinnung auf die Richtung, in die man sich musikalisch bewegt. Ersteres ist bei Emma Pollock, die sich als ehemalige Sängerin der The Delgados und nach ihrem ersten Soloalbum “Watch The Fireworks” auf festem musikalischem Boden befindet, gewiss nicht der Fall. Was den zweiten Punkt angeht, so scheint es beim Hören von “The Law Of Large Numbers” fast so, als würde sich Emma Pollock bei jedem Track aufs Neue musikalisch ausrichten
Tatsächlich ist das Album musikalisch sehr abwechslungsreich gestaltet. Dieser Umstand geht leider an einigen Stellen auf Kosten der Einheit. Es finden sich Indie-Rock Gitarren, die an Delgados Zeiten erinnern in “I Could Be A Saint” und “Red Orange Green”, neben verträumten Glockenspielen in Nine Lives. Das Klavier leitet das Album ein (“Hug the piano AND”) und schließt es ab (“Hug the piano OR”). Dazwischen zieht sich Emma Pollocks klare Stimme als gemeinsamer Nenner durch die Stücke, in “The Loop” setzt sie diese zusätzlich rhythmisch ein.
Dabei bleibt Emma Pollocks Stimme das einzig Beständige zwischen den zahlreichen stilistischen Sprüngen, die sie von Track zu Track wagt. Kann man machen, stößt aber bei den plötzlich einsetzenden elektronischen Drumsamples in Confessions eher auf, die sich nicht so recht einreihen wollen in den nur sparsam produzierten, eher roh wirkenden Gesamtklang des Albums.
Der nachfolgende Track “The Child In Me” ist auf einem harmonischen Gerüst aufgebaut, das zwar ganz und gar nicht außergewöhnlich erscheint und vermutlich schon in hunderten Popsongs Verwendung gefunden hat. Doch legt sich die Gesangsmelodie hier so zart um dieses Gerüst, dass einem jede Silbe und jeder Akkord der schrammeligen Akustik-Gitarre tief unter die Haut fährt. Die Eingänglichkeit des Stücks bleibt eine Ausnahme auf dem Album, auf dem sich eher außergewöhnliche Arrangements finden.
Und darin liegt die Stärke in Emma Pollocks Songwriting. In der Single I could be a saint, in Hug the harbour und Nine Lives schafft sie Melodien und Parts, denen man anhört, dass sie sorgfältig ausgearbeitet wurden, dass sie herangereift sind, bis sie unter dem Urteil ihrer Schöpferin Bestand hatten.
Mit ihrem zweiten Album kehrt Emma Pollock zu dem von ihr mitgegründetem Label Chemikal Underground zurück. “The Law Of Large Numbers” ist nach ihrer eigenen Aussage „the truest representation of me as an individual – whatever that means. “ Unter dem Aspekt kann man auch die etwas holprigeren Passagen akzeptieren.
[Theresa Nink]

