Kent – Röd


kent Kent   Röd

In ihrer schwedischen Heimat sind Kent in etwa so bekannt wie der Papst im Vatikan und auch hierzulande kann das Indie-Volk mit dem Namen so einiges anfangen. Als die aktuellen schwedischen Musikimporte wie Mando Diao 1998 ihre ersten Akkorde auf der Gitarre lernten, erreichten Kent mit “Isola” gerade den ersten Höhepunkt ihres Schaffens. Elf jahre später bleiben die Schweden modern und geben sich auf ihrem neuen Longplayer “Röd” gar futuristisch.

Die Wurzeln des neuen Kent Albums liegen in New York, wo die vier Musiker sich in das urbane Leben stürzten und einen großen Teil der Songs schrieben. Den Einfluß hört man “Röd” trotz des klerischen Intros durchaus an. Die Platte steckt voller Ideen, buhlt an allen Ecken um die Aufmerksamkeit des Hörer und kommt überaus facettenreich daher. Die Produktion wirkt futuristisch und knüpft mit all den elektronischen Spielereien an „Tillbaka till samtiden“ an. Zugleich gelingt es der Band jedoch auch zumindest einen Hauch der eingängigen Melancholie, die insbesondere die ersten beiden Alben auszeichnete, in´s neue Jahrtausend hinüberzuretten.

Auf eine Übersetzung der Texte wie im Falle von “Hagnesta Hill” und “Isola”, verzichtet die Band diesmal wieder. Natürlich könnte Sänger Joakim Berg hier totalen Blödsinn über gigantische Hamster mit Verdauungsproblemen singen und wir würden beseelt nicken und unsere Liebesträume hineinlegen, trotzdem war die Entscheidung wohl richtig und die seltsam anmutenden Songtexte tun der Musik keinen Abbruch. Wer es genauer wissen will, kann auf diese Seite zurückgreifen oder sich der kryptischen Allmacht eines Google Übersetzers ergeben:

Fügen Sie dort
Red Mai fängt die Hitze der Stadt
Unter den Fahnen Boot-Pedal, ich höre dein Herz


Noch Fragen?

Stücke wie “Idioter” und die ersten drei Songs, die wie siamesische Drillinge aneinandergewachsen sind, können durchaus überzeugen. Der “Früher war doch alles besser” Gedanke läßt sich hier jedoch auch keinesfalls vertreiben. Mit “Det Finns Inga Ord” und dem unwiderstehlichen “Hjärta” gibt es kleine Höhepunkte, die immer wieder mit ungewöhnlichen Klängen gewürzt wurden. Und auch wenn es bei den kurzweiligen Songs nicht mehr für eine neue Kent-Euphoriewelle reicht, ist das hier schon sehr…ja, nett.
[Sebastian Jegorow]
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