Sting – If On A Winter’s Night


stingwinter Sting   If On A Winters Night

Es ist mal wieder soweit. Die Supermärkte verhökern palettenweise Spekulatius, die Abende werden länger und Musiker wie Sting oder Bob Dylan veröffentlichen musikalische Schneekugeln.

Doch eigentlich führt uns dieser Zusammenhang bei “If On A Winter’s Night” völlig in die Irre. Stings neues Album hat mit Massenkonsum nämlich in etwa so viel zu tun wie politische Wahlprogramme mit Dichtung. Sting ignoriert hier die Stimmen, die nach der Police Reunion-Tour von dem Musiker Radiopop erwartet haben und macht es dem Durchschnittshörer nicht gerade einfach. Einmal mehr ist er der Mann der Brüche. Nach Alben wie “Soul Cage”, gelegentlichen Pop-Blaupausen und seinen John Dowland Arbeiten veröffentlicht der Musiker nun ein winterlich klassisches Album, das in der Geschichte weit zurückgreift.

So ist hier mit “Gabriel’s Message” ein Weihnachtslied aus dem 14. Jahrhundert ebenso vertreten wie zwei frische Eigenkompositionen. Von einigen Gästen begleitet, die Instrumente wie Violine, Trompete oder Fidel beisteuern, erschafft er Song um Song warme Klanglandschaften. Man weigert sich hier ein pauschales Urteil abzugeben. Zu speziell und eigensinnig sind die Stücke. Manche Hörer dürften die Aufnahmen bereits nach dem ersten Durchgang verteufeln. Wer den Songs jedoch etwas Zeit gibt, wird hier schnell von der dichten Atmosphäre und wundervollen Stimmung der Platte angesteckt.

“If On A Winter´s Night” ist sicherlich nicht Jedermanns Sache. Fest steht jedoch, dass die Aufnahmen mehr Wärme ausstrahlen, als die gesamte Weihnachtsbeleuchtung der US-Suburbs und das Ziel ein homogenes Winteralbum aufzunehmen Sting geglückt ist.
[Sebastian Jegorow]