
34 ist der niedliche Kanadier Michael Bublé mittlerweile, höchste Zeit also sich weiterzuentwickeln und das Image des jugendlichen Sinatra-Imitators abzulegen. Wer das jedoch hofft, wird auch von Bublés viertem Album (“Crazy Love“) enttäuscht werden. Der Frauenschwarm macht genau dort weiter, wo er aufgehört hat. Platten wird er damit wieder viele verkaufen, aber mehr als „gut kopiert“ oder „geschickt zusammengewürfelt“ kann man zum Big-Band-Pop des Grammy-Gewinners wieder nicht sagen.
Bublé covert u.a. “Georgia On My Mind“, ”Cry Me A River” oder ”Heartache Tonight” und gerät durch sein allzu defensives Verhalten wieder zum glorifizierten Hausfrauen-Soundtrack. Beim Abwaschen höre ich ihn ja auch ganz gerne, aber zu mehr fehlt einfach die Eigenständigkeit. Warum ein Imitat, dann lege ich zu gewissen Stunden lieber Ol‘ Blue Eyes auf, und bin erstaunt wie frisch dessen alte Sachen auch heute noch klingen. Ob das Menschen bei Michael Bublé in 40 Jahren auch so geht? Ich wage das zu bezweifeln.
Michael Bublé bleibt mit “Crazy Love“ Schwiegermamas Liebling und der massentaugliche Entertainerentwurft des 21. Jahrhunderts. Seine Vorbilder erscheinen leider immer noch übergroß und die Songauswahl hätte gerne um einiges mutiger ausfallen können. Das Konzept fast nur Cover mit auf die neue Platte zu nehmen geht nicht wirklich auf, anderthalb eigene Nummern sind heutzutage etwas zu wenig. Michael Bublé versucht das zu machen, was andere vor 40 oder 50 Jahren bereits besser konnten – er steht sich damit selbst im Weg. Wetten, dass…? wird ihn immer wieder gerne einladen, aber ein bisschen mutiger könnte es langsam schon werden, Herr Bublé.
[Sascha Knapek]

