
Deutscher Sprechgesang kann sympathisch, intelligent und bahnbrechend sein. Das perfekte Beispiel dafür sind Die Fantastischen Vier. Seit Ende der 80er macht der Vierer gemeinsam Musik und kreierte 1992 mit “Die Da“ nicht nur den ersten deutschsprachigen Rap-Hit, nein, man legte die Blaupause für ein gänzlich neues Genre vor. Nun wird das Quartett 20 und ihr Manager, Andreas „Bär“ Läsker – deutschlandweit bekannt aus der fünften Staffel ‘Deutschland sucht den Superstar‘ –, präsentiert ein zwei CDs langes Tribute an seine Schützlinge. Versammelt hat er das „Who-ist-Who“ der deutschsprachigen Popmusik. Und genau hiermit steht und fällt “A Tribute To Die Fantastischen Vier“.
Wenn man es wohlwollend ausdrücken möchte, ist diese vom „Bär“ zusammengestellte Compilation äußerst heterogen. Acts wie Revolverheld (“Was Geht Version 2009“), Roger Cicero (“Geboren“), In Extremo (“Yeah Yeah Yeah“), Thomas Godoj (“Flüchtig“), Puhdys (“MFG“), Pur(!) (“MFG“), Scooter (“Troy“) oder Sasha (“Die Da!?!“) repräsentieren die Bandbreite deutscher Musik, die man entweder begeistert liebt oder entschieden hasst. Fehlen nur noch Michael Wendler, Stefan Raab und Jeanette Biedermann, und man hätte, neben den durchaus vertretenen Brüdern und Schwestern im Geiste (Massive Töne, Clueso oder Spezializtz), die komplette Deutsch-Stussschiene abgedeckt.
Mit zwei CDs und 36 Tracks ist dieses Tribute leider mindestens um die Hälfte zu lang ausgefallen. Die lobenswerte Idee, den Fantastischen Vier die gebührende Ehre zu erweisen, wird durch Interpretationen von Pur, Thomas Anders, Karat oder „Superstar“ Thomas Godoj stellenweise leider bis zur Unkenntlichkeit verwässert. Seien wir ehrlich, kein Anhänger der Fantas möchte so etwas hören. Manche Nummer grenzen an Folter.
Schneidet man das typisch deutsche Musikfett ab, bietet dieses Tribute-Album jedoch auch starke Hommagen und faustdicke Überraschungen. Scooter unterhalten bei “Troy“, die Puhdys rocken (ehrlich!) “MFG“, die Yeti Girls verweisen (danke!) In Extremo unmissverständlich in die Schranken (beide Bands versuchen sich mit unterschiedlichem Erfolg an “Yeah Yeah Yeah“) und alle Vorurteile, die man gegen Xavier Naidoo haben kann, werden durch seine Version von “Krieger“ feinstens bestätigt! “A Tribute To Die Fantastischen Vier“ hat viel mit billigen B-Movies gemein, manche Stellen sind so schlecht, da muss man einfach hinhören!
[Sascha Knapek]


