Black Eyed Peas – The E.N.D.


blackeyed Black Eyed Peas   The E.N.D.

Keine Sorge, der Titel des neuen Albums der Black Eyed Peas soll kein Hinweis auf das jähe Ende des electro-poppigen Hip-Hip-Kollektivs sein. Vielmehr steckt das Detail in den Punkten zwischen den Buchstaben. E steht für Energy, N für Never und D für Dies. Somit wird aus “The E.N.D.“ im Handumdrehen “The Energy Never Dies“. Wer das mehr oder weniger lustige Wortspiel hinter sich gelassen hat, bekommt auf dem fünften Studioalbum der Kalifornier 16 gewohnt füllige Tracks im Spannungsfeld von Rap-Clubs, Chart-Zeitgeist, Electrospielereien und Tanzflächenfegern der Marke “Let’s Get It Started“.

will.iam verkündete kürzlich in einem Interview, dass die Black Eyed Peas für ihn ein lebenslanges Projekt seien, das von Zeit zu Zeit auf den neuesten Stand gebracht wird. Eigene, innovative Ideen und frische Beats sind im Hip-Hop-Zirkus jederzeit gerne gesehen und unter all den Lil‘ Waynes und T-Pains unserer Zeit fast unabdingbar. Umso bedauerlicher ist es, dass die 2009er Frischzellenkur der Black Eyed Peas teilweise darauf beschränkt ist, etwas verspätet auf den elenden und gähnend langweiligen Auto-Tune-Zug aufzuspringen. Einen etwas differenzierteren Sinn für Stil und Geschmack hätte man sich in dieser, mit dem Charme einer Waschmaschine ausgestatteten, Sound-Frage von Fergie, Taboo, Apl.De.Ap und Mastermind will.iam dann doch gewünscht.

Neben manch allzu bleiernen Elektrospielereien bietet “The E.N.D.“ allerdings noch andere Seiten der Black Eyed Peas, die durchaus zu einer eingehenden Beschäftigung mit dieser Platte einladen. Dazu gehören z. B. das in Daft-Punk-Manier daherkommende “Rock That Body“ und das darauf folgende, von Fergie geprägte, “Meet Me Halfway“. “Showdown“, das äußerst ungleiche “Now Generation“ und “One Tribe“, die stärkste Hip-Hop-Nummer der gesamten Platte, symbolisieren zum Ende von “The E.N.D.“ die Nichtigkeit aller Versuche die Black Eyed Peas in irgendeinem Sinne kategorisieren zu wollen.

Es ist den Black Eyed Peas hoch anzurechnen, dass man ihre Version des mit Auto-Tune-Horror aufgepeppten Hip-Hops ohne Hörsturz überleben kann. So schlimm wie bei manch anderen Kollegen hört sich das gar nicht an. Aber ist das ein Maßstab, mit dem man eine Black-Eyed-Peas-Platte beurteilen möchte? Nein! “The E.N.D.“ hat seine Momente, vor allem wenn man beim Anhören auf einer Tanzfläche steht. Aber wir können von Glück sagen, dass dies nicht die letzte Platte der Band bleiben wird. Die Chance zur Rehabilitation ist da – wenn man nicht jedem unnützen Teilzeittrend hinterherhechelt, dem Motto “The Energy Never Dies“ auf lange Sicht treu bleibt und die hippen Stimmenverfremder dorthin wirft, wo sie hingehören: In einen auf ewig versiegelbaren Giftmüllbehälter!

[Sascha Knapek]
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