
Erinnern wir uns an die schönsten Regentage. Als Soundtrack dieses Kopfkinos läuft dabei entweder eines der ersten Sophia Alben oder eben eine Platte, an der Hope Sandoval beteiligt ist. In den Songs von Hope Sandoval und ihren wechselnden Mitstreitern steckt stets etwas zeitloses, das selbst die alten Mazzy Star Platten im Jahre 2009 hörenswert macht. Nun veröffentlicht die Songwriterin aus LA ihr neues Album.
Im Anschluß an die Erfolge mit Mazzy Star war Hope Gastsängerin bei Bands wie Air, The Jesus & The Mary Chain oder Vetiver und bereitete ihr erstes Album mit ihrer neuen Begleitband, den Warm Inventions, vor. Das folklastige Hope Sandoval & The Warm Inventions Debüt “Bavarian Fruit Bread” wurde 2001 veröffentlicht und wurde mit viel Lob versehen. Acht Jahre hat sich die Musikerin mit ihrem neuen Album Zeit gelassen. Zwischendurch machten sogar hier und da Gerüchte von einem Mazzy Star Comeback die Runde. Vom Tisch scheint das Thema noch lange nicht zu sein, zunächst legt uns die schöne Amerikanerin jedoch “Through The Devil Softly” vor die Füße.
Ihr neuestes Werk fällt mal wieder typisch entspannt und unaufgeregt aus. Die düstere Atmosphäre erinnert an die Twin Peaks Zusammenarbeit zwischen Angelo Badalementi und Julee Cruise. Oder eben die bisherige Diskographie von Hope Sandoval. Passend zu dieser sanften Shoegaze-Stimmung mit Folktönen ist Colm O’Ciosoig, Gründungsmitglied von My Bloody Valentine, auch hier wieder Teil der Band. Hope Sandoval zaubert in all die hör- und fühlbare Leere traurige Balladen mit einen klaren Folkanschlag, über die Gitarren wie verliebte Eiskunstläufer gleiten. Eleganz und Gefühl sind die Stichworte, die man als Tags auf die CD-Hülle schreiben möchte. Bemängelt darf hier höchstens das dezente herantreten. Eine entschlossenere Rythmusbegleitung hätte man sich hier gewünscht.Das Songwriting fällt häufg untypisch aus, weshalb sich einige der Songs erst beim zweiten oder dritten Durchgang dem Hörer erschließen. Der Opener “Blanchard” zählt noch zu den eingängigsten Songs dieser Platte. Mit dem wundervollen Refrain gewinnt sie das Herz und die Geduld des Hörers, die am Ende belohnt wird, wenn sich ihm die schönen Stellen nach dem ein oder anderen Durchgang plötzlich offenbaren.
[Sebastian Jegorow]
