
Wenn die amerikanische Folklegende Judy Collins einen Künstler auf ihrem Label Wildflower Records präsentiert, dann ist stilistisch alles klar. Hier kommt Alt-Country und klassisches Songwriting ohne Elektrogedöns.
Und ihre aktuelle Entdeckung Wes Charlton – optisch eine Mischung aus Howie Day und Ron Sexsmith und musikalisch eher Ryan Adams und Matthew Ryan – reiht sich gekonnt in dieses Line Up traditioneller Songwriter ein. Der 24-jährige Musiker, der vor einigen Jahren mit “American Bittersweet” sein Debüt ablieferte, beweist hier von Anfang an sein Talent und sein schlafwandlerisches Bewußtsein für den richtigen Ton.
Den Anfang macht das atmosphärische “Daytime Blues”. Ob in Ohio oder in Wanne Eickel, der Hörer wird damit sofort nach Amerika verfrachtet und bleibt bis zum letzten Ton und der letzten Zeile der meist stark selbstreflexiven Texte des Musikers an diesem warmen Ort. Dabei variiert Charlton musikalisch die Ganggart und liefert beispielsweise mit “Still Here” einen astreinen Rocksong ab, um dem Hörer nur einen Song später mit “Red Eyes, Blue Lights” das ruhige Highlight dieser Platte vor die Füße zu legen.
Und auch wenn die Platte hier und da zu wenig zündet und im Laufe der Zeit abflacht, hinterläßt sie einen positiven Eindruck und weckt die Hoffnung auf die zukünfigen Großtaten des jungen Songwriters.
[Sebastian Jegorow]

