
Nein, Speck Mountain ist nicht der Kosename für Ottfried Fischers monumentale Plauze. Hinter dem für deutsche Ohren lustig betitelten Berg versteckt sich eine vierköpfige US-Band. Ambient Soul nennen die tonangebenden Songwriter Karl Briedrick (Bass, Gitarre) und Marie-Claire Balabanian (Gesang, Gitarre, Bass) den Sound von Speck Mountain – eine dermaßen zutreffende Beschreibung, dass dieser Verschubladisierung eigentlich schon mal nichts mehr hinzuzufügen ist.
Warum viele trotz der treffenden Eigencharakterisierung der Band den Sound von Speck Mountain als Space Rock einordnen, ist nicht schwer zu verstehen. Nummern wie “Angela“ und das etwas deplatziert wirkende Elektro-Kleinod “Backslider“ erinnern durchaus an die Franzosen von Air. Atmosphärisch schlagen hier beide Bands in äußerst ähnliche Kerben. Bei den restlichen Stücken auf “Some Sweet Relief“ dominieren dann allerdings doch ein an ‘Sub Pop‘-Bands der späten 90er erinnernder (und in Beruhigungsmitteln getränkter) Shoegaze und Songmomente, die man durchaus auch auf einem Album von Chan Marshall finden kann.
Der Star von “Some Sweet Relief“ ist ohne Frage die Stimme von Madame Balabanian. Beim fragilen Titeltrack oder beim wundervollen Opener “Shame On The Soul“ wird sie scheinbar – setzt die Kopfhörer auf und ihr findet heraus, was da im Sound noch so alles herumspukt – nur von einer E-Gitarre umgarnt, zierlicher können große Gesten nicht ausfallen. Kompromisslos zurückgenommenes Songwriting, wie es zielorientierter nicht sein könnte. Speck Mountain graben sich mit dir ein und warten, bis die Gefahr vorüber ist.
„Desire and Fidelity“ – der Titel vom neuen Hornby-Buch? Nein, Speck Mountains Antwort auf die Frage, worum es auf ihrem neuen Album geht. Die Stimme der knapp 1,60m großen Marie-Claire Balabanian zirpt dich ins wohlige Delirium und trägt deinen von Zeit und Raum unabhängigen Körper dann weich durch den anschließenden Traum. Ihre drei Kollegen untermalen alles äußerst sanft, ein leiser Bass hier, eine beschaulich jaulende Gitarre dort und Saxofon, Klavier und Orgel vergisst man in Person von Kate Walsh auch in fast keinem der vertretenen neun Tracks. Neun Tracks? Ja, “Some Sweet Relief“ hat nicht nur den Charme und die Eleganz einer alten Schallplatte, auch die Länge passt ins Bild.
[Sascha Knapek]


