The White Buffalo – Hogtied Revisited

“Hogtied Revisited“, das neue Album von ‘The White Buffalo‘, hat einen scheußlichen Fehler. Zum Glück nervt uns der allerdings direkt zu Beginn, danach wird alles gut, versprochen. Haben wir das seifige und vollkommen überflüssige Streicher-Intro, das auf dieser Platte wie ein elendiger Fremdkörper wirkt, einmal hinter uns gebracht, erwarten uns zwölf großartige Stücke, die das Augenmerk auf die unangefochtene Stärke des Songwriters legen, seine Stimme! Stellt euch einen 24/7 Whiskey trinkenden Eddie Vedder in Höchstform, ein bisschen Jim Croce, eine Prise Tom Waits und den dunkelsten Cat Stevens-Touch, den ihr euch ausmalen könnt, vor und ‘The White Buffalo‘ liegt irgendwo in diesem Spektrum.
Eigentlich hieß die vorliegende Platte einmal “Hogtied Like A Rodeo“ und galt in einschlägigen Kreisen lange Zeit als heiliger Gral der kontemporären Westküstenszene. Wenn man sie überhaupt einmal irgendwo im Angebot eines Onlineanbieters fand, war leider immer eine Abwandlung des Spruchs „permanently out of stock“ zu lesen. Die Scheibe ist also schon länger out-of-print, kursiert nur unter der Hand und sogar im an MP3-Downloads so reichen Internet, hatte man ohne Deep Throat-Hinweise lange Zeit keine Chance die Songs aufzutreiben. Allgemein war das an Informationen über Musiker oft so reichhaltig bestückte Internet streckenweise sehr arm an passenden Infos zum Mysterium ‘The White Buffalo‘. Man musste schon auf eins seiner rar gesäten Konzerte gehen, um sich von Jake Smiths – so der bürgerliche Name von ‘The White Buffalo‘ – legendärem Under-the-Radar-Ruf zu überzeugen.
Da “Hogtied Like A Rodeo“ also so gut wie nirgends mehr aufzutreiben ist, entschloss sich der Singer/Songwriter dazu, einige der darauf enthaltenen Songs neu aufzunehmen, ein paar unveröffentlichte Stücke – sein einzig flächendeckend beziehbarer Tonträger ist eine sechs Tracks starke und selbst betitelte EP aus dem Jahr 2005 – mit drauf zu packen und das Ding als “Hogtied Revisited“ unters Volk zu bringen. Auf dem Markt ist das Baby nun seit dem 27. Februar und über die Buffalo-Homepage kann man sein Exemplar beziehen. Wer nicht wieder jahrelang vergeblich suchen möchte, sollte zugreifen!
Thematisch geht es bei Jake Smith gewohnt düster zu. Er singt und erzählt von den Schattenkapiteln des Lebens, eine Art therapeutische Selbstreflektion – wenn Smith denn über sich singen würde. Das macht er allerdings nur in den seltensten Fällen. Der Hüne beobachtet und formt seine dabei entstehenden Gedanken zu Songs. Wer ihm begegnet wird schnell merken, dass er eigentlich ein quietschfideles Kerlchen ist, eine Art herzensguter Songwriter-Obelix, der als Heranwachsender ins Melancholiefass gefallen ist. Viel mehr als seine Akustikgitarre, ein bisschen Klavier hier, präzise Drums dort und sein über allem liegendes Organ braucht Smith nicht, um dich im Handumdrehen davon zu überzeugen, dass ‘The White Buffalo‘ der momentan größte ungesignte Songwriter ist.
Alles an ‘The White Buffalo‘ ist übergroß. Seine Statur, seine bärig-tiefe Trademark-Stimme, sein ihm vorauseilender Ruf, seine erhabene Bühnenperformance, sein aktuelles Album. Nur die Hörerschichten, die Mr. Smith erreicht, sind (noch) nicht übergroß. Wenn ihr also schon eine Weile zum kleinen Zirkel der White Buffalo-Aficionados gehört, genießt eure privilegierte Situation und klopft euch auf die Schulter, bald wird Jake Smith, aka ‘The White Buffalo‘, einige Etablierte in die Schranken weisen und dafür sorgen, dass unzählige Augenbrauen hochgezogen werden. Donavon Frankenreiter und Xavier Rudd – für die hat der Bär von einem Kerl u. a. schon gefeierte Support-Stints hingelegt – können ein Liedchen davon singen!
Februar 27, 2009














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