Mando Diao - Give Me Fire

Ob Dorfdiscoabend mit wiedergefundenem Rockrepertoire, hipper Alternative-Schuppen, städtische „In“-Lounge oder steriler Großraumtempel – Mando Diao hat jeder DJ im Gepäck, der sein bodenständiges Rockvolk bei Laune halten möchte.
Die viel zu große Klappe des schwedischen Kollektivs sorgte mit scheinbar ohne größeren Pausen auskommenden Veröffentlichungen in den letzten Jahren dafür, dass die Hybris der frühen Oasis – zu Zeiten von zugegebenermaßen großen Alben wie “Definitely Maybe“ und “(What’s The Story) Morning Glory?“ – einen kleinen, skandinavischen Bruder bekommen hat. Lange vor, lange nach und natürlich schon mal überhaupt nicht während Mando Diao gab, wird es geben oder gibt es eine bessere Band als den schwedischen Fünfer. So ist zumindest die Selbsteinschätzung der jungen Herren.
Seitdem Mando Diao auf die öffentliche Bühne getreten sind, klappern und zerdeppern sie lauthals Geschirr und lassen allzu gerne den prahlenden Rockstar raushängen. Viel Gebrüll und nichts dahinter mag man da als Skeptiker schnell denken. Zumindest bei der Außendarstellung der Band, hat man da auch gar nicht so Unrecht. Denn warum hat eine Truppe, die so ein Rockbrett wie das aktuelle Album “Give Me Fire!“ auf uns loslässt, es nötig mitunter grenzdebil arrogant und prollig durch die Musikwelt zu schreiten? Na ja, es bringt Aufmerksamkeit und so was verkauft Platten. Business as usual, das simple Einmaleins. Man muss sie nicht mögen, die lauten Nordlichter, aber man muss ihnen ein Kompliment machen. Abgesehen von den ganz groß riskierten Fressen und all dem anderen Unsinn, schütteln sie zünftige Rockalben aus dem Ärmel.
Die neuen 13 Tracks knüpfen an das an, für was das Quintett bekannt ist: kompromissloser Rock’n’Roll. Eingängige Melodien, fetzige Gitarren, coole Hooks, Dampfhammer-Drums. Oft schon vergeblich gesuchte Ruhe (des Alters) kehrt auf “Give Me Fire!“ trotz aller Rockbekenntnisse ein. Nummern wie die äußerst soulige Hit-Single “Gloria“ sind mit das Beste, was Mando Diao bisher vorzuweisen haben. Man tut sich selbst definitiv keinen Gefallen, wenn man den Fünfer in die kindliche Chartschublade steckt und versucht ihnen irgendwelche – in Realität bestenfalls imaginäre – Indie-Street-Cred abzusprechen. Die kalifornische Sonne, unter der einige Aufnahmen dieses Albums entstanden sind, steht sprichwörtlich Pate für den etwas unverbisseneren Ansatz als sonst. Steht den Jungs ganz gut.
Aktuell hebt sich “Give Me Fire!“ erfreulich ab von den “Ode To Ochrasy“‘s und “Never Seen The Light Of Day“‘s der Vergangenheit. Fast glaubt man an eine geglückte Verschnaufpause, an mehr Substanz und weniger Kotzbrockentum. Und man hat Recht, sind erstmal alle Vorurteile – in gewissen Kreisen – über Bord, entwickeln sich die 13 enthaltenen Tracks zu einer tollen Rock’n’Roll-Platte. Egal wer, wann und wo Mando Diao hört – wer auf kernigen Rock, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt, steht, wird hier fündig. “Give Me Fire!“ ist ein Album, dass das Potenzial dazu hat, zum Brückenbauer zu werden. Die Brücke von euch, zu euren Freunden, die sonst mit traumwandlerischer Regelmäßigkeit ins Musikklo greifen. Bei Mando Diao könnt ihr euch treffen, die sind nämlich in echt gar nicht so schlecht, wie ihr gewöhnungsbedürftiger Ruf.
[Sascha Knapek]

Februar 25, 2009













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