The Old Believers – Eight Golden Greats


oldbelievers The Old Believers – Eight Golden Greats

Wenn uns Keeley Boyle und Nelson Kempf so vom Cover der aktuellen Old Believers-Platte aus anschmachten, gruselt es einen vor dem Einlegen der CD fast. Die Szenerie erinnert eher an billige B-Movies, als an jazzgetränkten Country-Folk. Im Grunde ist das herzlich misslungene Coverbild, aber nur ein – zugegebenermaßen tief in die Kitschtonne greifendes – Abbild des Romantikdrangs des amerikanischen Duos. Dreht sich das Album – bzw. die EP, so steht es extra hinten auf dem in Wachs getränkten Booklet – erst im Player, verschwindet die Abneigung und in jedem Moment könnte Becky Thatcher hinterm frisch gestrichenen Zaun hervorkommen.

Eigentlich kommen die jetzt im alternativen Hafen Portland ansässigen Old Believers aus dem kalten Alaska. Man benannte sich nach einem Ast der russisch-orthodoxen Kirche, hat aber mit Religion weiter nichts am Hut. Viel mehr geht es auf “Eight Golden Greats“ um die Liebe und die dazugehörige Romantik. Mit alten Gitarren, jammernden Fideln, schweren Drums, wechselndem Gesang (manchmal singt Boyle, manchmal Kempf), rostiger Tradition und Mississippi-Flair bügeln Keeley Boyle und Nelson Kempf ihren Sound auf alt. Was schnell schief gehen kann, schippern die Old Believers seelenruhig in acht sichere Häfen. Das Duo überrascht von Song zu Song. Vom Jazz-Bop des Openers “There It Is“, zur zerbrechlichen Herbst-Melancholie “No More“ und dem Country-Wehklang von “That’s All“, bis hin zum Americana-Gospel “Betcher Ass“ und dem verkappten Delta-Blues “The Glories All Been Done“, ist alles dabei, was das American-Songbook hergibt.

The Old Believers ist mit “Eight Golden Greats“ ein ganz schön großer Wurf gelungen. Natürlich soll man ein Buch nicht nach dem Einband beurteilen, aber würde man diese spontane Urteilsbildung auf eine CD übertragen, landete die aktuelle EP der Old Believers wohl nur in den seltensten Fällen im entsprechenden Abspielgerät. Glücklich ist der, der weniger oberflächlich an die acht Tracks herangeht. Hinter dem scheußlichen Kitschcover verbirgt sich ein eindrucksvoller Streifzug durch junges, aber eigentlich doch richtig altes, amerikanisches Liedgut.
[Sascha Knapek]

ohr The Old Believers – Eight Golden Greats