
Diese englische Fusion aus Avantgarde-Pop – oder das, was sich dafür hält –, Electro-Bohème und Mod-Ästhetik war noch nie mein Ding. Umso erstaunter war ich, als herauskam das der zu besprechende Künstler, der seit 30 Minuten aus meinem Lautsprecher kam und mehr oder weniger an meinen Nerven zog, gar nicht aus England kommt. Angil ist ein waschechter Franzose. Das verrückt den Blickwinkel ein kleines bisschen, kann allerdings natürlich nichts am Gesamturteil ändern. “Ouilposaliva“ heißt die zweite Platte des Kumpels von Jim Putnam (Radar Bros.) und seiner Backingband, Hiddentracks. Der Ansatz ist groß, das Endergebnis eher durchwachsen.
Wer auf diese Art von Melting Pot steht, dem wird das zweite Album von Mickael Mottet (Angils bürgerlicher Name) sicher gefallen. Mir sind die vorhandenen 14 Tracks zu unorientiert und ohne roten Faden gestrickt. In Mottets Vocals verliert man sich entweder oder man nickt ein. Der Mix aus Hip-Hop, Electro, Jazz und Indie-Kakophonie hat sicher einen gewissen Appeal, aber man muss viel Geduld und Modewillen mitbringen, um von den vielfältigen Halbideen nicht sofort erdrückt oder erschlagen zu werden.
Zu erwähnen sind bei “Ouilposaliva“ jedoch noch zwei Dinge, die das Album fast noch retten und sehr sympathisch machen. Angil wählte einen literarischen Ansatz und setzt des Öfteren auf traditionelle – holzorientierte – Instrumente. Wie bei George Perec wird auf etwas durchaus Elementares (bei Angil ist es der E-Key) verzichtet und man gibt sich der Natürlichkeit hin. In Ansätzen kann man das im Verlauf von “Ouilposaliva“ auch durchaus gut erkennen. Am Ende wächst sogar die Erkenntnis, dass dieser Begriff Electro bei Angil und den Hiddentracks eigentlich gar nicht so gut passt. Ein Lieblingsalbum wird’s trotzdem nie im Leben.
P.S. Ach ja, das von Comicautor Guillaume Long entworfene Booklet ist das großartigste Begleitheft des bisherigen Jahres!
[Sascha Knapek]

