
Wenn zwei Tonträger insgesamt acht Millionen Mal über die Ladentheke wandern, muss irgendwas an der enthaltenen Musik dran sein. Keane verkauften insgesamt acht Millionen Exemplare ihrer ersten beiden Alben und Hits wie “Somewhere Only We Know“ verkörperten intelligenten, radiotauglichen Pop, der auch vor dem ein oder anderen Arschtritt nicht zurückschreckte. Nach bandinternen Problemen ist “Perfect Symmetry“ nun die dritte Platte der Briten. Unglücklicherweise vergaß man jegliche Rockkanten und orientierte sich zu oft an urzeitlichen Schmalz-Pop-Bands der 80er. Weiterentwicklung ist zwar etwas Begrüßenswertes, aber muss das Vorbild unbedingt Tears For Fears sein?
Den großen Popsong sucht man auf “Perfect Symmetry“ beim ersten Hördurchgang vergeblich. Ganz sympathisch ist, dass Nummern wie “Spiralling“ oder “The Lovers Are Losing“ bei der dritten oder vierten Begegnung fast zu Ohrwürmern werden. Nur sind es keine Ohrwürmer der Güteklasse A. Es sind diese Ohrwürmer, die du Sonntagsmorgens als Schnipsel im Fernsehen hörst, wenn im DSF oder bei QVC die neueste 80’s-Compilation an die bereits wachen Frauen und Männer gebracht werden will. Steriler Drumsound, Synthiezucker und Tom Chaplins zum Plastikpathos hingemischte Stimme, stehen eher für „Steffi“-Corsa und Männersträhnchen, als schlagkräftigen Pop des 21. Jahrhunderts. Die angeblich perfekte Symmetrie krankt an ihrer Verortung. Irgendwo zwischen Tears For Fears und Coldplay ist kein Platz für Freigeister, zu fordernd sind die Weichspülkonventionen, denen Keane diesmal leider nicht entkommen konnten.
Ihr rockig klimperndes Klavier haben Richard Hughes, Tom Chaplin und Songwriter Tim Rice-Oxley mit “Perfect Symmetry“ leider in die Ecke gestellt und altbackene Poprezepte entstaubt. Wenn das Bandgefüge damit wieder auf gesündere Füße gestellt wird, geht das Konzept und die Zusammenarbeit mit Jon Brion (u. a. Rufus Wainwright, Evan Dando) und Stuart Price (u. a. Madonna, Seal) auf. Unterm Strich kommen alle elf Songs allerdings bei Weitem nicht an die Vorgängeralben “Hopes And Fears“ (2004) und “Under The Iron Sea“ (2006) heran. “Perfect Symmetry“ hat ein paar nette Momente, aber aus netten Momenten wurde noch nie eine Popplatte für die Ewigkeit.
[Sascha Knapek]

