
Heute sass ich im Büro und tippte sinnlose Zeilen in den Rechner, als das Radio sich in einem 5 Minuten Beitrag der neuen Coldplay Platte widmete. Hier sprach der verlängerte Arm der Plattenfirma. Ein Volldepp brachte mich nach meinen drei Tagen voller Krampf mit dieser schlechten Platte auf die Palme, indem er von großen Entwicklungen sprach und Viva La Vida mit Joshua Tree verglich. Nun gut, Martin ist vielleicht tatsächlich auf dem Weg zu einem zweiten Bono. Der selbstverliebte Hanswurst, der sorglos im Bombast ertrinkt und einfach keine Songs schreiben will/kann. Das neueste Ergebnis ist musikalisch demnach auch schlicht eine Qual.
Daran ändert sich auch nichts, wenn man beim sonst so nervtötenden Lovers In Japan das zauberhafte Outro entdeckt und zum Abschluß mit dem Doppelschlag Strawberry Swing und Death And All His Friends tatsächlich noch zwei ordentliche Stücke vorgesetzt bekommt. Der Weg bis zu diesem kleinen Hoffnungsschimmer ist viel zu steinig. Fast wie Dante fühlt man sich da, durch die Hölle geschleift und den musikalischen Alpträumen und Enttäuschungen begegnend. Face the truth: Parachutes ist Geschichte. Nur hilft einem hier kein Vergil durch den gekünstelten Brei. Hier bist du einsam und allein. Das ist echte Tragik.
Der Sound der Band wurde hier endgültig zum abschlachten freigegeben. Ob dieses überproduzierte Stück Mist eine schlichte Geschmacklosigkeit ist oder die Ideenlosigkeit überdecken soll spielt keine Rolle. Immer diese Schlappschwanz-Ausbrüche, die erzwungene Katharsis in jedem einzelnen Song, diese verfickte Kopfstimme und der Bombast. Das war bereits auf X&Y widerlich und wird hier bis zum Erbrechen eingesetzt, vermutlich in statistisch errechneten Intervallen, es muss ja krachen. Da kann man sich auch von einer RTL2 Sendung quälen lassen, in der ständig das Klavierthema von Clocks gespielt wird. Fuck them. Platte bei Ebay verkaufen, dem Chef zu Weihnachten schenken oder in den Müll schmeissen.
[Sebastian Jegorow]

