The Rolling Stones – Shine A Light


stoneslight The Rolling Stones   Shine A Light

Das Genre des Konzertfilms ist ein ganz Spezielles. Oft etwas vernachlässigt und im Kino meist nur eine Nebenrolle spielend, geht es manchmal ein wenig unter. Wenn sich allerdings ein Großmeister des Big Screen wie Martin Scorsese daran setzt eine Dokumentation über die größte Rock’n’roll Band dieses Erdballs zu drehen, ändert sich die Rollenverteilung in Windeseile.

Mit den Worten ’Rolling Stones’ weiß schließlich jedes Kind etwas anzufangen und paart man die legendären Briten mit dem Regisseur von filmischen Meisterwerken wie Casino, Taxi Driver oder Gangs Of New York, kann fast nur eine einzigartiges Ergebnis dabei herausspringen. Ganz besonders interessant wird diese Elefantenhochzeit wenn man sich Scorsese’s oft etwas vernachlässigten Musikfilme vor Augen führt: Bob Dylans No Direction Home“, Elvis On Tour und der Inbegriff jedes Konzertfilms, The Band’s The Last Waltz stehen auf dem Resümee des 65-jährigen.

Der Streifen Shine A Light eröffnete Anfang Februar als erster Dokumentarfilm überhaupt die 58. Berlinale und zog am 3. April für Jedermann in die Kinos. Zeitgleich erschien ein passender Soundtrack, der den Film nach einem Kinobesuch auch in der eigenen Stereoanlage wiederaufleben lässt. Die Deluxe-Edition umfasst über zwei CDs verteilt satte 22 Songs (die Scorsese-Ansprache nicht miteingerechnet), deckt viele Schaffensperioden der Stones ab und glänzt mit teilweise doch eher überraschenden Bühnengästen und einer abwechslungsreichen Songauswahl (die genaue Zusammensetzung der Setlisten entschied die Band spontan und publikumsabhängig live auf der Bühne). Jack Whites (The White Stripes) tolles Gastspiel bei Loving Cup und Buddy Guys kernige Unterstützung während Champagne & Reefer passen perfekt ins Bild; die Popdiva Christina Aguilera auf den ersten Blick nicht wirklich. Ihre Sache macht sie während Live With Me allerdings trotzdem ausgesprochen gut.

Alle Songs stammen von zwei, für Stones-Verhältnisse, fast intimen Konzerten im New Yorker Beacon Theatre. Im Herbst 2006 luden die Band und Scorsese damals zu den Aufnahmen von Shine A Light; Fans und Prominenz (u.a. das Ehepaar Clinton) ließen sich natürlich nicht lange bitten und feierten ihre Helden im vergleichsweise kleinen Theatre. Begleitet wurde jeder Blickwinkel von den besten Kameramännern Hollywoods und obendrein sprang eine brillante und auf dem Soundtrack zu hörende Tonspur heraus. Ob Gassenhauer der Marke (I Can’t Get No) Satisfaction, Paint It Black, Jumpin’ Jack Flash, Brown Sugar und As Tears Go By, oder unbekanntere Perlen wie All Down The Line, Connection, Faraway Eyes und Some Girls – für jeden ist auf “Shine A Light“ mit Sicherheit etwas dabei. 21 der 24 Tracks wurden am zweiten Abend des New Yorker Double-Headers (am 1. November 2006) von Bob Clearmountain aufgenommen, die restlichen drei am Abend zuvor. Unterstützt hat die Rockdinosaurier Mick Jagger, Charlie Watts, Ronnie Wood und Keith Richards an beiden Tagen (neben den drei bereits genannten Stargästen) eine neunköpfige Begleitband (u.a. Chuck Leavell an den Keyboards und Darryl Jones an der Bassgitarre). Shine A Light zeigt die Rolling Stones abseits von gigantischen Bühnen und unnötigem Rockstarfirlefanz. Sympathisch, ehrlich, groß!

Wen nach dem Genuss des Films oder des Soundtracks – am besten aber beidem! – das Stones-Fieber ergriffen hat, dem sei ein Besuch beim ’Rolling Stones Quiz’ wärmstens ans Herz gelegt. Über 400 verschiedene Fragen bieten dort weitreichenden Platz sein Stones-Wissen zu testen und darüber hinaus großartige Preise (z.B. eine Reise nach New York oder eines der Lieblingsgitarrenmodelle von Keith Richards) abzuräumen!

ohr The Rolling Stones   Shine A Light

[Sascha Knapek]