Wolfmother – Wolfmother


wolfmother Wolfmother   Wolfmother

Seit Anfang Juni ist es soweit. Wolfmothers gleichnamiges Debütalbum gibt es seitdem auch auf dem deutschen Markt. Die drei jungen Australier, die sich hinter dem Namen Wolfmother verstecken, verstehen es wie kaum eine andere zeitgenössische Newcomerband sich Klänge legendärer Rockbands zu Eigen zu machen und trotzdem nicht altbacken oder wiederholend zu klingen. Originell entstand eines der Rockbretter des sechs Jahre alten 21. Jahrhunderts.

Ein Buch sollte man nicht nach dem Einband beurteilen. Diese Floskel gilt es auch beim ersten Wolfmother Longplayer zu beherzigen. Die barbusige Phantasiefrau auf dem Cover ruft stellenweise sicher Assoziationen zu der ein oder anderen 80er Jahre Heavy Metal-Kombo hervor. Aber hinter dem Cover verbirgt sich eine CD mit 13 Stücken, die zum einen ein Wanderweg durch die letzten 35 Jahre Rockgeschichte darstellt und zum anderen – entschuldigt meine Ausdrucksweise – eine Rocksau von Platte ist!

Die Welt begann mit dem Ur-Knall. Der erste Wolfmother-Longplayer mit dem Ur-Schrei. Sänger und Gitarrist Andrew Stockdale schreit sich und den Hörer am Anfang von Dimension rein in die Platte. Man weiß sofort wo man hier ist und das Stück ist ein Paradebeispiel des Wolfmother-Sounds. Schlagzeug, Bass, eine Gitarre, die sowohl krachen als auch herrliche Soli spielen kann, und Stimme werden nicht geschont. Mehr Instrumente braucht ein klasse Rocksong nicht. Die zitierten Hausnummern sind im Lauf der ersten Tracks schnell klar. Led Zeppelin, Soundgarden und Kyuss-Einflüsse hört man heraus und speziell beim relativ bekannten Woman hört sich die Stimme von Stockdale schon sehr nach Ozzy Osbourne ohne Herzschrittmacher an. Ruhige Stücke sind auf der CD eher rar gesät. Where Eagles Have Been als Ballade zu titulieren wäre falsch, im Vergleich zu den anderen Nummern auf Wolfmother kommt der Song dieser
Charakterisierung aber wohl noch am nahesten. Im hitverdächtigen Joker & The Thief singt Stockdale: “I said the Joker is a wanted man” Wenn man sich die Wolfmother-Entwicklung der letzten beiden Jahre so ansieht kann man diese Zeile auch gut in “I said Wolfmother is a wanted band” umtaufen.

Zeit zum Durchatmen lässt die Platte selten. Wer nämlich denkt Wolfmother würde zum Ende hin die Luft ausgehen ist falsch gewickelt. Einige der besten Songs befinden sich im letzten Drittel der CD. Love Train und Vagabond, das vorletzte, respektive letzte Stück des Longplayers, sind solche. Love Train wird ruhig mit Bongos eingeleitet, dann setzt ein vibrierender Beat ein und Hook an Hook breitet sich der Song vor einem aus. Vagabond beginnt ebenfalls ruhig und vor dem E-Gitarren- und Basseinsatz fühlt man sich für anderthalb Minuten an einige Nummern des ebenfalls aus Australien kommenden John Butler erinnert.

Klar, Wolfmother-Kritiker werden sagen „gab’s schon, nichts neues, da such ich lieber nach einer neuen, skandinavischen Alternativeinheitsband“. Als Antwort auf diese Pessimisten zitiere ich kurz den Anfang des Wolfmother-Songs Tales, einer eben dieser ganz starken Tracks aus dem letzten Drittel der CD: „Oh my friend don’t get caught in yesterday / All the things we’ve heard have left and made their way“ Led Zeppelin sind Geschichte, Soundgarden und Kyuss auch, aber Geschichte hin oder her, sie haben etwas hinterlassen. Diesem Vermächtnis neues Leben einzuhauchen und es mit eigenen innovativen Ideen zu füllen macht Wolfmother aus. Da geht niemand „back to the roots“, da benutzt nur jemand eben diese Wurzeln um ein neues, schmackhaftes Gebräu daraus zu kochen. (Sascha Knapek)