Helgen


Aktuell herrscht hier Helgen-Euphorie. Die Band aus Hamburg hat sich mit der selbstproduzierten EP eine kleine Fangemeinde erspielt und steht momentan vor dem nächsten Schritt. Wir haben uns den Auftritt des Trios in Dortmund angeschaut und mit dem Sänger der Band während eines Tourstopps über die Helgen-Historie und die Zukunftspläne gesprochen.

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Nieselregen, Winter-Blues und die übliche Ruhrpott-Tristesse. Die Vorzeichen für einen gescheiten Konzertabend in Dortmund sind an diesem Novembertag nicht besonders dolle. Dennoch haben sich einige Dutzend Zuschauer im Kellerraum des Rekorders versammelt, um Helgen nach dem Auftritt im Mai noch einmal zu sehen. Im Gepäck hat die Band ihre brandneue Vinyl-Single, ihre Gerne, gerne, gerne EP und einen Sack voller neuer Songs. Schnell wird klar, dass die Band trotz der kurzen Historie bereits ein überraschend großes Repertoire an Songs hat. Dabei wecken Helgen mit ihren frischen und unhysterischen Songs glückliche Erinnerungen an die Sterne oder Nils Koppruchs Glanztaten bei Fink. Sänger Helge Schulz singt von Lebensentwürfen, Herzkram und holt zum Ende einen wunderbaren Song raus, der um einen Witz herum gebaut ist. Dazwischen gibt es Anekdoten von der Tour, die tragische Geschichte vom Elefanten Tuffi, der aus der Wuppertaler Schwebebahn gefallen ist, und allerlei Fun Facts zu den Songs. Selbst wenn die Gitarrensaite reißt und Schlagzeuger Timon mal eben zum Auto läuft, um eine neue zu holen, wird die unfreiwillige Pause gut gefüllt.



Wie uns Helge Schulz einige Tage später während eines Tourstops irgendwo zwischen Bonn und der Pfalz erzählt, wurde der Grundstein der Band in Hannover gelegt. Kennengelernt haben sich die drei Musiker nämlich während ihres Studiums in Hannover und sind später wieder gemeinsam zurück in den Norden gesiedelt. „Wir haben zusammen studiert und kannten uns von verschiedenen Bands. Wir haben uns dann aus Bock auf ein Bierchen getroffen und haben die Band mehr oder weniger gegründet. Und als wir dann zurück nach Hamburg gegangen sind, wurde das Ganze konkretisiert. Wir haben dann den Popkurs-Studiengang in Hamburg gemacht und haben dabei gemerkt, wieviel Spaß uns die ganze Sache macht“. Seitdem ist Musik für die drei eigentlich auch ein Full-Time Job: „Nebenbei unterrichten wir an der Musikschule, aber Musik ist eigentlich auch alles was wir machen. Wir gucken immer, dass am Ende des Monats genug Knete für die Miete und ein bischen Essen drin ist und der Rest geht dann in die Bandsachen“. Dass die Stücke dabei in deutscher Sprache gesungen werden, stand für Helge von Anfang an fest. Er habe seit seinem 12. Lebensjahr Songs in deutscher Sprache geschrieben und könne sich nicht wirklich vorstellen Englische Songs zu schreiben.

Ihr Debütalbum hat die Band fast im Kasten. Unterstützt wird Sie bei den Aufnahmesessions vom Produzenten Olaf Opal, der insbesondere mit seinen Arbeiten für Notwist, Readymade/Miles und Die Sterne (Irres Licht) um die Jahrtausendwende herum dem Begriff Indie in Deutschland einen eigenen Stempel aufgedrückt hat. Wie Helge sagt, durfte die Band über das Jahr verteilt immer mal wieder ins Studio, um ein paar Songs einzuspielen: „Es war jetzt nichts, wo man jetzt Mastermind-mäßig an den Song herumgebastelt hätte. Es war total intuitiv, nur eben über das ganze Jahr verteilt. Weil Olaf recht gefragt ist, aber trotzdem Bock hatte mit uns zu arbeiten, hat er uns zwischen die großen Produktionen geschoben. Dadurch hat sich das Ganze zeitlich in die Länge gezogen, aber wir konnten uns dadurch entwickeln.“ Zu hören soll es dabei größtenteils neues Material geben. Lediglich die Single „Lass uns Feinde sein“ wird dabei voraussichtlich auch auf dem Album vertreten sein. Wie das Album heißen wird, steht dabei noch ebenso offen wie das Label. Dass die Band beste Chancen hat im nächsten Jahr durchzustarten, steht jedoch außer Frage. Alles zu seiner Zeit.

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