Ryley Walker – Golden Sings That Have Been Sung


Für sein letztes Album Primrose Green scharte Ryley Walker seine Jazz-Freunde um sich und spielte ein phantastisches, rohes und unverfälschtes Album ein. Die Sorte Musik, die spontan aus sich selbst heraus zu entstehen scheint. Es wurde nichts poliert und geschliffen; die Splitter und Fasern blieben, wo sie sind. Das hatte diese unverfälschte, verspielte Energie, wie man sie schon seit Langem in der meisten, heutigen Musik vergeblich gesucht hat.

Golden Sings That Have Been Sung heißt nun das neue Werk. Walker amüsiert sich über den Wortfehler im Titel und ist ziemlich stolz auf seine neuen Texte. Insgesamt ist es in Album, bei dem er die Gitarre bewusst nach hinten stellt und sich dem Gesang widmet. Die Stimme ist klarer und zugänglicher geworden; plötzlich hat man einen netten Typen vor Augen und vermisst ein wenig die kantige und mürrische Charakteristik von früher. Blickt man obendrauf auf seine virtuosen und wunderschönen, vom „American primitive“ gefärbten Gitarrenparts zurück, wundert man sich um so mehr, dass ein so begabter Gitarrist plötzlich sein Instrument eher im Zaum hält. An ausgefallenen Arrangements mangelt es dennoch nicht. Dafür reicht es schon, sich in der Komplexität und dem vielseitigen Aufbau des grandiosen Openers The Halfwit In Me zu verlieren.

Walkers Songs sind Geschichten, die sich oftmals dem klassischen Song-Schema widersetzen, die den gefürchteten Mitsing-Refrain scheuen und lieber immer wieder zu neuen, überraschenden Seitenpfaden führen. Wenn es so weitergeht, wird Ryley Walker bald die kleinen, gemütlichen Wohnzimmercouch-Auftritte schmunzelnd zu seinen musikalischen Anfängen wegsortieren können. Jene Gigs für eine handvoll Leute, die ihm so viel Freude bereiten, müssen nun für Festivalbühnen Platz schaffen. Für diese neu angebrochenen Zeiten hat er sich schließlich virtuos freigekämpft und bleibt sich hoffentlich selbst treu.

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