The Avett Brothers – True Sadness


​Die Avett Brothers hatten wohl den Minimalismus alter Tage satt und geben sich auf ihrem neuen Album nach allen Seiten hin offen. Das findet man natürlich zunächst doof. Insbesondere, wenn man das rootgetreue I And Love And You zu seinen Lieblingen zählt.

Wer sich jedoch auf die neue Seite der Avetts einlässt und sich aus dem Schmoll-Modus lösen kann, wird große Freude an True Sadness finden. Der Funk-Stampfer Ain’t no man ist da bereits ein guter Dosenöffner und selbst diejenigen, die zu sanften Folksongs Herzen brechen oder flicken wollen, werden bei „No Hard Feelings“ oder der Banjo-Nummer „I Wish I Was“ seufzen können.



Nein, trotz der Farbtupfer verlassen die Avett Brothers ihren Pfad nicht auf die coldplaysche Art. True Sadness mag zwar hier und da zu sehr vom Wesentlichen ablenken und Konfetti-Reste im Rauschebart tragen, doch Stadion-Pop für Leute mit Knicklichtern und Holi-Farbbeuteln muss man hier wahrlich nicht befürchten. Nur hin und wieder treten sich die Streicher zu sehr auf die Füße und den Ideenreichtum von Satan pulls the strings, das bereits auf dem Livealbum nicht zu den Höhepunkten zählte, kann nicht einmal vom Freinschliff-Weltmeister Rick Rubin unter einen Hut gebracht werden.

Doch ehe man an seiner Sympathie zu den Avett Brothers zweifeln kann, liefert die Band aus North Carolina mit dem Ohrwurm Smithsonian (inklusive der bemerkenswerten Zeile “My bedroom’s an office, my kitchen’s a car, my life is a joke, and my bathroom’s a bar”) oder dem entwaffnend ehrlichen Fisher Road To Hollywood Highlights ab. Auch im bunteren Gewand ist auf die Avett Brothers verlass.

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