Damien Jurado – Visions Of Us On The Land


Mit Visions Of Us On The Land vollendet der Songwriter Damien Jurado seine epische Maraqopa-Trilogie. Wie Travis Henderson in Paris, Texas ist er mit Maraqopa aus seiner alten musikalischen Heimat geflohen und fand in einem Meer aus Psychedelia ein neues Zuhause.

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Jurado ist im Laufe der letzten 30 Jahre einen langen Weg gegangen. Er war einst der introvertierte Grundschullehrer, der in seiner Freizeit stoisch auf einem Stuhl sass und tieftraurige Lieder von Affären und Frauen mit Heimweh sang. Bis auf eine kleine Fangemeinde juckte das nur wenige Menschen, bis er mit seinem achten Album von einer Hype-Welle, die eigentlich bärtige Sensibelchen mit Banjos im Fokus hatte, am Rande mitgerissen wurde und seine Songs in Youtube-Covern und Serien-Soundtracks wiederfand. Und auch wenn sein Privatleben in den letzten zehn Jahren genug Stoff für Intouch-Schlagzeilen oder traurige Songs liefern würde, durchlebte Jurado mit seiner Musik eine einzigartige Metamorphose.

Weg vom traurigen Minimalisten und Sänger von Killerballaden hin zum schrulligen Soundtüftler. Es sind zwei Grundsteine, die Jurados schrulligen Maraqopa-Trilogie und der Erzählung um einen Mann, der nach einem Unfall sein altes Leben hinter sich lässt, zu Grunde liegen. Musikalisch ist es der Einfluss durch seinen Freund Richard Swift. Der Songwriter und Produzent schubste Jurado in dei 70er und löste Eric Fishers reduzierte Produktion ab. Die Geschichte hinter der Trilogie geht auf die alte Folklegende von Jim Sullivan zurück, der eines Tages spurlos in der Wüste verschwand, wodurch seine Songs von UFO-Entführungen zu einer sonderbaren Self-Fullfilling-Prophecy wurden.



Während Maraqopa nach dem imposanten Nothing Is The News noch stark nach dem alten Jurado klang und Brothers & Sisters Of The Eternal Sun tiefer in die neue Klangwelt eintauchte, ist der Songwriter aus Seattle auf Visions Of Us On The Land am Ziel angekommen und hat seinen Sound perfektioniert. Es ist ein fein gewobener Quilt aus Spaghetti Western, christlichem Folk, entspannten Vibes, wiederkehrenden Motiven alter Songs und allerlei Psychedelia, in dem Jurado seine Songs versteckt hat. Hin und wieder schimmert der alte Jurado-Geist aber auch hier noch durch die Stücke oder Songtitel wie TAQOMA oder Queen Anne, die sich nach wie vor an der Topographie des State Washington orientieren.

Die Reise und seinen Wandel macht er dabei zum Thema. Das Schlüsselstück ist die Akustiknummer On The Land Blues, in der Jurado retrospektiv „failed as a man and a friend, i know who i was then, i know who i am know“ singt. Zum Ende gibt es mit Kola einen kleinen Song, der als Akustikcover eines 80er Jahre Serienjingles durchgehen könnte und dem Hörer dennoch dank der entwaffnenden Ehrlichkeit das Herz bricht.

Es ist eine verrückte Reise, die Jurado mit seinem surrealen Befreiungsschlag angetreten ist. Der Weg scheint dabei das Ziel zu sein und dieses ist ja sowieso egal. „Are we all not lost in a song“ fragt er in Exit 353 treffend. Oder wie ein berühmter Weltenentdecker einst sagte „To infinity… and beyond!“.


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