Vimes – Nights In Limbo


Seit zwei Jahren sind die Vimes mit Tracks wie Celestial Dauergäste der Clubs, Betten und WG-Küchen all der glückstrunkenen oder einfach nur betrunkenen Menschen. Nun liefert das Duo aus Köln den lang erwarteten Longplayer zum Mini-Hit.

Zumindest in Sachen Reglerschieberei und catchy Elektrofrickelei kann Deutschland bereits seit unzähligen Jahren international mithalten. Dabei haben sich auch zuletzt Projekte wie Moderat, Super Flu, Hundreds oder Aparat mit einem breiten Faettenreichtum in die Ahnengalerie der Weilheimer, Berliner oder gar Düsseldorfer Schule einsortiert. Kurz gesagt: Deutschland hört gar nicht auf vor Beats und Soundtüfteleien zu sprudeln. Mit ihrem Debüt Nights In Limbo kommen Azhar Syed und Julian Stetter alias Vimes zu dieser langen Liste hinzu.



Vom ersten Ton an puckert und wabert der Sound des Duos aus Köln und sorgt für ein wohlig warmes Gefühl und ausreichend Tiefe, um sich durch die Soundschichten zu wühlen. Stücke wie Mind oder Tuem schließen perfekt an den Pop der ersten Lebenszeichen an, Hopeful breitet sich genüsslich aus und Rudal bringt den Hörer mit einem holprigen Beat bewusst aus den Tritt, um dann doch beim genauen Hinhören einen hypnotischen Sog zu entwickeln.

Mit dieser Mischung kommen Vimes dem Sound von Abby und ihrem Pop-Wunder Hexagon wohl am nächsten. Wo den Songs die Luft auszugehen scheint, wird der Hörer durch einstürzende Klangspielereien abgelenkt. Nights In Limbo mag zwar kein Meilenstein sein, doch das Album schafft es mit einer sehr guten Balance aus Style und Substanz den Hörer bei Laune zu halten und im Laufe der Spielzeit immer mehr Atmosphäre aufzubauen. All die glückstrunkenen oder einfach nur betrunkenen Bewohner der Clubs, Betten und WG-Küchen werden zufrieden sein.

Hier folgt ein kleines Interview mit dem Duo:

Zunächst einmal Glückwunsch zum Album. Verfolgt ihr nach all der Arbeit das Presse-Feedback auf „Nights In Limbo“ mit Interesse oder versucht ihr eher keine Reviews zu lesen?

Man kriegt natürlich dies und das nebenbei mit, aber aktiv verfolgen wir Reviews nicht. Was ziemlich erfreulich ist, ist wenn wir Mails von Hörern bekommen, die beschreiben, wie wunderbar sie das Album finden.

Wie kam es zu der Entscheidung das Album „Nights In Limbo“ zu nennen?

Die Produktion des Albums war rückblickend tatsächlich wie eine Art Schwebeprozess. Manchmal wussten wir nicht, ob wir schon fertig waren oder erst gerade begonnen hatten. “Nights In Limbo” beschreibt also gewissermaßen die Entstehung und unseren Zustand dabei.

Ich finde die Balance aus Songwriting und Exzess und den Bogen, der sich durch das Album zieht, klasse. Wie wichtig war es für euch, dass das Album mehr als nur eine lose Ansammlung von Tracks ist?

Sehr. Ein Album sollte weitaus mehr als nur eine lose Ansammlung sein, einen Spannungsbogen kreieren und dabei so etwas wie eine Geschichte erzählen. Wir hätten vor langer Zeit ein Album veröffentlichen können, wollten uns aber Zeit lassen, um etwas Zusammenhängendes zu schaffen.

Wie können wir uns das Teamwork bei euch vorstellen?

Das läuft eigentlich größtenteils gleich ab: Einer von uns hat eine Idee oder ein Demo und danach arbeitet man gemeinsam dran. Manchmal ist aber etwas schon so fertig, dass der andere lediglich Kleinigkeiten hinzufügt. Letztendlich ist es wichtig, was daraus entsteht.

Habt ihr im Laufe der Jahre eine Art entwickelt Meinungsverschiedenheiten bei eurer Zusammenarbeit schnell zu lösen?

Manchmal muss einfach das eigene Ego zurückstecken, denn eine Kollaboration ist kein Wettbewerb. Letztendlich muss man das große Bild vor Augen haben, wie wir mit VIMES noch besser werden können.


Eure Liveauftritte waren dank der visuellen Begleitung und der Live-Instrumente in den letzten Jahren schon etwas besonderes. Was können wir auf eurer kommenden Tour erwarten?

Wir haben uns sehr viele Gedanken darüber gemacht und ziemlich viel Arbeit reingesteckt. Mehr wollen wir aber erst einmal nicht verraten. Nur soviel: der visuelle Aspekt ist uns wichtiger denn je!

Was war der glücklichste Moment im Zusammenhang mit eurer Musiklaufbahn bisher?

Glückliche Momente gab es viele, daher ist die Antwort ziemlich schwer. Aber unsere eigene Vinyl in den Händen zu halten, war schonnicht verkehrt.

Und zum Abschluss ein kurzes Brainstorming, was fällt euch spontanzu diesen vier Begriffen ein?

Humming Records
Engagiertes Label, die sehr viel Arbeit und Liebe in Projektestecken, die sie gut finden.

Spotify
Ein zweischneidiges Schwert. Für Hörer wie wir es auch sind natürlich praktisch, aber die Zukunft wird zeigen, ob es ein nachhaltiges System für Künstler ist.

Karneval
Ist schön, wenn Leute Spaß haben, aber haben persönlich wenige
Berührungspunkte dazu.

South By Southwest:
Reizüberflutung pur. Viel Musik zum Entdecken und ein spannendes
Erlebnis, in das man aber als Künstler nicht zuviele Hoffnungen
reinstecken sollte.

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