Joachim Meyerhoff – Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke


Mit seinem Projekt Alle Toten fliegen hoch ist Joachim Meyerhoff nach dem Bühnenerfolg auch eine Bestsellerreihe geglückt. Dabei entwickelt der Theaterregisseur und Schriftsteller die eigene Lebensgeschichte in ein unterhaltsames Narrativ und erweckt passend zum skurrilen Titel der Reihe all die Menschen, die er unterwegs verloren hat, zum Leben. Mit Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke veröffentlicht Meyerhoff nun den dritten Band der Reihe.

Während der erste Teil Amerika mit einem Schüleraustausch in Laramie, Wyoming eine beinahe schon nebensächliche Anekdote in eine charmante Coming Of Age Geschichte mit einem überraschenden Schlag in die Magengrube verwandelte, weitete der zweite Teil Wann wird es wieder so wie es nie war den Fokus aus und erzählte voller Unbeschwertheit die Jugendgeschichte des Autors, die den Ereignissen des Debüts einen Rahmen verliehen. Nachdem die ersten beiden Teile den Verlust des Bruders und des Vaters thematisierten, widmet Meyerhoff den dritten Teil seinen geliebten Großeltern.

Und wen überrascht es schon, das auch der dritte Teil dem Autor glückt und wieder den richtigen Ton trifft? Im Mittelpunkt steht diesmal Meyerhoffs Leben während seiner Schauspielausbildung, bei dem er zwischen der entleerten Dekadenz seiner Großeltern und dem holprigen Beginn seiner Schauspielkarriere pendelte. Der Gegensatz aus dem behüteten Zuhause der Großeltern, die sich in ihrem rituellen Alltag vom Champagner-Frühstück bis hin zum abendlichen Whiskey hangeln, und dem Kampf um´s Überleben an der Schauspielschule prägt die Erzählung. Der jugendliche Leichtsinn des ersten Teils und der unbeschwerte Ton des zweiten Teils weichen hier einem Zwiespalt und einer Verunsicherung über die Zukunft. Die unendliche Traurigkeit des Verlusts wurde dennoch wieder perfekt in den Erzählfluss und die amüsanten Geschichten verwoben und die Geschichte in den Gesamtkontext seines Lebens eingebettet. Bei Meyerhoff verwandeln sich triviale Handlungen wie eine Schauspielübung oder die Beschreibung alter Fotos zu einer spannenden Geschichte, die den Leser manchmal zum Lachen bringt und manchmal traurig stimmt. Alle Toten fliegen hoch ist auch diesmal eine bittersüße Angelegenheit wie das Leben selbst.

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