Pure Bathing Culture


Als Teil der Band Vetiver standen Sarah Versprille und Daniel Hindman noch in der zweiten Reihe und auf ihrem Debüt als Pure Bathing Culture tauchten sie ihre Melodien in ein Meer aus verträumten Backgrounds. Mit Pray For Rain tritt das Paar endgültig aus dem Schatten und schafft eine Gratwanderung aus persönlichen Texten und eingängigen Songs.

.



Während des Pickathon Festivals 2011 in Portland konnte man Sarah Versprille und Daniel Hindman als Teil von Vetiver sehen. Erst kurz zuvor sind die beiden aus New York an die Nordwest-Küste gezogen und haben sich der Band angeschlossen. Irgendwo im Hinterkopf hatten die Musiker wohl damals bereits das Ziel ihre Vorstellungen von Pop in einem eigenen Musikprojekt umzusetzen. So stellten sie bereits ein Jahr später die ersten eigenen Songs auf dem Pickathon vor. Ihr Debüt Moon Tides war eine verträumte Reminiszenz an die Cocteau Twins. Eine zaghafte Dreampop-Perle, auf der das Feingespür des Paars immer wieder durch die geisterhaften Hintergründe durchblitzte. Mit dem neuen Album Pray For Rain tritt das Duo nun aus dem Dreampop-Nebel des Debüts, dem stets etwas körperloses inne wohnte. Der Sound wirkt klarer und Sarah Versprilles Stimme ist deutlich präsenter. Entstanden ist das Album im Studio des Produzenten John Congleton (St. Vincent, Angel Olsen) in Dallas. Wie uns das Duo im Interview verriet, hat der Produzent den Sound des Albums massiv beeinflusst. „John hat uns dabei geholfen ein Album einzuspielen, auf das wir enorm stolz sind. Es ist ein wenig reduzierter als Moon Tide und zugleich ist der Sound größer und wirkungsvoller.“

Wer Sarah Versprille mal im Hintergrund bei Vetiver oder bei einem ihrer ersten Auftritte erlebt hat, konnte sich wohl nicht vorstellen in der schüchternen Person eine Frontfrau zu sehen. Doch die neue Rolle liegt ihr inzwischen sehr. „Mit Pure Bathing Culture habe ich das erste mal die Möglichkeit vorne zu stehen. Es ist aber sehr bereichernd und macht mir Spaß vorne zu sein und unsere Songs zu singen.“ Da stellt sich die Frage, wie es zu diesem Wandel kam. „Es hat sich eigentlich eher natürlich entwickelt, weil ich meinen Gesang im Laufe der letzten Jahre live verbessern konnte.“


Auf Pray For Rain ist diese Entwicklung deutlich zu hören. In Höhepunkten wie dem Titeltrack rückt Sarah Versprille die Beats und Bassläufe in den Hintergrund, zieht zu Daniel Hindmans glasklarem Gitarrenspiel die Aufmerksamkeit auf sich und verleiht dem Stück mit ihrem Gesang enorm viel Energie.

Doch auch wenn Pure Bathing Culture mit Popmelodien und starken Uptempo-Kompositionen um sich werfen, wird recht schnell klar, dass Pray For Rain eine persönliche Angelegenheit ist. Der Band zufolge handeln viele der Songs von Veränderung und Kommunikation zwischen den Menschen. Im Mittelpunkt scheint auf Pray For Rain der Song Singer zu stehen, in dem Sarah Vespille ihre eigene Entwicklung und ihren Weg beschreibt. „Singer ist der Song, der für mich am meisten autobiographisch ist. Es ist eine Art Coming-Of-Age-Song, der davon handelt durchs Feuer gehen zu wollen, um sich selbst zu verwirklichen.“ Eine Selbstverwirklichung, der wir ein kleines Herbsthighlight verdanken.

Pray For Rain (Memphis Industries / Indigo) erschien am 23.10.2015

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.