Schnipo Schranke – Satt


Hier ist es also: das lang erwartete Album von Schni-Schna-Schnipo Schranke. Oder wie sie sich im eigenen Signature Track Schnipo Song selbst beschreiben: „Das ist die neue Schule, das ist Schnipo Schranke, ´ne Kurze und ´ne Kranke, zwei Emos, ein Gedanke“.

Seit ihrer Ankunft in Hamburg vor zwei Jahren haben die beiden Musikerinnen Daniela Reis und Fritzi Ernst einen kleinen Hype aufgewirbelt. Dabei wurden sie von der alten Hamburger Schule mit offenen Armen empfangen. Sie durften im Golden Pudel spielen, Ted Gaier (Die Goldenen Zitronen) half ihnen als Produzent unter die Arme und Ente Schulz hielt für den Pisse Clip sogar sein Ding-Dong in die Kamera.

Das Debüt des Duos lebt von den Harmonien und versammelt die altbekannten ersten Gehversuche wie Schrank oder Tot mit einer Reihe neuer Stücke, die nicht wirklich nach schnell eingespieltem Füllmaterial klingen. Musikalisch betrachtet spannen Schnipo Schranke ein Referenz-Zelt auf, unter dem ebenfalls die Lassie Singers, Moulinettes, Stereo Total und die Kasper-Folker von den Moldy Peaches sich zuhause fühlen würden. Eingängige Melodien auf dem Keyboard, Gesang mit dem Mut zum schiefen Ton und Fritzis Blockflöte sind hier die wichtigsten Bestandteile.

Schnipo Schranke werden jetzt bereits entweder für die juvenile Leichtigkeit gefeiert oder für die infantile Fäkalästhetik kritisiert. Das Duo auf einige Textzeilen zu reduzieren und sie mit einem Charlotte Roche Roman zu vergleichen ist jedoch ein ähnlicher Fehlgriff wie irgendwelche Versuche hier ein feministisches Statement zu suchen. Satt mag eine Mädchenplatte von Mädchen mit Eiern sein und desöfteren von Fäkal-Punchlines leben; vor allem ist es aber ein herrlich beklopptes Stück Musik, das sich an den stärksten Stellen (Pisse, Herzinfakt, Cluburlaub) zum antreibenden Ohrwurm entwickelt und an den wenigen Schwachstellen an erzwungenen Reimen kränkelt.

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