Low – Ones & Sixes


Seit über einem Jahrzehnt leben Alan Spearhawk und Mini Parker in zwei Welten. Die beiden sind liebevolle Eltern und gläubige Mormonen, die mit sich selbst und der Vergangenheit ihren Frieden geschlossen haben. Gleichzeitig sind sie Slowcore-Ureltern und eine Sub Pop Kultband, die auch durchaus die Zähne fletschen kann. Mit Ones & Sixes feiern die großen Zerstörer ein beachtliches Comeback.

Nachdem die Band aus Duluth, Minnnesota die Kunst des Leisetretens auf dem Vorgänger The Invisible Band eher in eine schlichte Produktion verpackte, traut man sich nun wieder vom ersten Song an kantige Gegenpole einzusetzen und die Pathos-Schraube wie auf C’Mon wieder anzuziehen. Knarzig verzerrte Bässe und schmerzvolle Schläge treiben die Spannung im Opener Gentle an die Spitze und entladen sich in Mimi Parkers bezaubernden Gesang. Wer Glanzstücke aus dem Low-Œuvre wie Violent Past oder Sunflower in den vergangenen Jahren vermisst hat, dürfte sich auf Ones & Sixes wieder zuhause fühlen. Mit What Part Of Me mischen Low gleichzeitig fast schon poppige Töne ein, die auch durchaus auf The Invisible Band passen würden.

Vielleicht ist es Justin Vernons Studio, das als Aufnahmestätte diente, doch die Atmosphäre und die Detailverliebtheit alter Tage rücken auf Ones & Sixes insgesamt wieder stark in den Vordergrund. Sei es die Gitarrenarmee, die leise im Hintergrund des Songs Congregation hin und her segelt, das endlose Landslide oder der Dancefloor-Geist, der in DJ plötzlich hervor springt. Der Teufel liegt hier im Detail und lässt sich stellenweise erst über Kopfhörer erhaschen. Nach 22 Jahren Bandgeschichte ist die Erwartungshaltung an ein Low Album üblicherweise verdammt hoch. Dass sie hier jedoch derart souverän zur alten Übergröße zurück finden, ist dann doch fast schon überraschend. Ones & Sixes ist episch, brodelnd und mit kleinen Funken versehen.

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