Chantal Acda


Manchmal verweilt man in der Flut aus Veröffentlichungen bei einer Platte länger und denkt gar nicht daran sie loszulassen. So verhält es sich hier mit Chantal Acdas neuestem Album The Sparkle In Our Flaws. Kurz nach den Aufnahmen zu Ihrem gemeinsamen Projekt mit dem Walkabout Chris Eckman hat sich die Wahlbelgierin mit Peter Broderick und Shahzad Ismaily ins Studio begeben und dieses fragile Stück Zauber eingespielt, das unscheinbar und leise daherkommt und dank der perfekt dosierten Arrangements ein Maximum an Wirkung erreicht. Eine Vorstellung des Albums findet ihr an dieser Stelle. Wir haben uns mit Chantal Acda über die Aufnahmen und den Entstehungsprozess des Albums unterhalten.

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© Terry Magson

Wie war die Erfahrung für dich, an diesem Album zu arbeiten?

Ich bin bei der Wahl der Menschen, die an den Aufnahmen beteiligt sind immer sehr genau. Es kann Jahre dauern, bis ich das Gefühl habe, dass es passt. Mit Peter Broderick und Shahzad Ismaily habe ich mein Dreamteam gefunden. Auf eine Art fühlen sie genau das, was ich mit meiner Musik ausdrücken will, ohne dass etwas gesagt werden muss. So kann ich vielmehr auf meinen Instinkt setzen. Es hat uns ein großes Vergnügen bereitet.

Zum Titelsong des Albums hast du einen wunderbaren kleinen Clip online gestellt. Was hat es damit auf sich?

Das ist meine Tochter am Strand in Island. Ich wollte es noch meinem Vater zeigen, bevor er starb. Aber wir haben es leider nicht mehr rechtzeitig geschafft. Auf eine gute Art fühlt sich der Ort in dem Clip wie ein verwunschener Ort voller Geister an. Ich habe eine schwere Zeit erlebt, als ich vor zehn Jahren in dem Dorf in einem Schneesturm feststeckte. Es war eine Konfrontation mit mir selbst und auch mit meinen Schwächen, die in dem Song eine Rolle spielen.

Wenn man deinen enormen Output bedenkt, scheinst du von Musik besessen zu sein. Was bedeutet dir Musik?

Meine Musik ist für mich mein Zuhause. Wenn ich singe, fühle ich mich sicher. Ich fühle mich an vielen Orten und im Umfeld der meisten Menschen unsicher. Es bedeutet mir sehr viel diesen spirituellen Raum zu haben.

Du hast mit sehr vielen Künstlern wie Chris Eckman oder Nils Frahm gearbeitet. Gibt es Musiker, mit den du gerne arbeiten würdest?

Ich bin sehr glücklich, dass ich Menschen wie Chris, Nils, Peter oder Shazad oder den Musikern in meiner Liveband begegnet bin. Ich muss eine Verbundenheit zu den Menschen aufbauen, um frei zu singen. Daher fühle ich mich in dem Umfeld der von dir genannten Musiker bereits sehr wohl. Wenn ich mir noch jemanden aussuchen dürfte, dann würde ich zum Beispiel gerne mal mit Ben Frost oder Bill Frisell arbeiten.

Um einen Vorschlag in den Raum zu werfen, ich würde gerne hören wie eine Zusammenarbeit von dir und Jesy Fortino (Tiny Vipers) klingt, ihr habt beide diese wunderbare Gabe eine in sich geschlossene Klangwelt zu kreieren und ward bereits gemeinsam auf Tour.

Oh, ich liebe sie! Als Menschen und als Künstler. Ich habe sie einige male besucht und ja, ich würde sehr gerne mit ihr zusammenarbeiten. Momentan konzentriert sie sich nur auf ihr Studium, aber wer weiß?

Hast du beim Schreiben bereits eine Vorstellung, wie die Songs klingen sollen?

Nicht im geringsten, es ist alles ein instinktiver Prozess. Ich wußte nicht einmal wie die Songs am Ende klingen würden, als ich in´s Studio ging. Ich wollte einfach die Verbindung nutzen. Es ist ein natürlicher Prozess ohne großartig über

Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, gab es da so etwas wie einen Wendepunkt?

Das ist eine schwierige Frage…Als ich mit Nils Frahm im Studio war, mischte Shahzad ein Album im Nebenraum. Ich kannte zuvor bereits seine Arbeiten mit Lou Reed und Marc Ribbot. Während der Kaffeepause habe ich an einem Song herumgespielt. Irgendwann kam Shahzad zufällig vorbei, sah mich an und zu sagte „You have no idea what you have got“. Er hat meine Gitarre gegriffen und das war der Anfang unserer gemeinsamen Aufnahmen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Probleme damit meine Stärken zu sehen. Ich bin . Aber die Worte haben mir zu denken gegeben und haben auch meine Art zu singen und zu spielen verändert. Auf eine Art waren sie befreiend für mich.

Hast du dir überlegt, wie du die neuen Songs live spielen willst? Wird es hier Veränderungen gegenüber deinen vergangenen Auftritten geben?

Meine Liveband ist klasse und ich will die Songs umarbeiten. Es ist alles noch offen, wir werden proben und uns in der Musik finden. Ich freue mich sehr auf die Tour und mag es sehr in Deutschland zu spielen.

Chantal Acdas Album ‚The Sparkle In Our Flaws‘ (Glitterhouse) erschien am 25.09.2015

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