Sun Kil Moon – Universal Themes


Kotzbrocken, der nach bester Hip Hop Manier Beef mit anderen Musikern anzettelt, eigenwilliger Kautz oder liebenswerter Typ mit einem sehr trockenen Humor, Mark Kozelek ist immer für eine Überraschung gut. Die einzige Konstante ist dabei der unglaubliche Output an wunderbaren Songs, die er mit den Red House Painters, Sun Kil Moon, alleine oder im Duett mit Musikern wie Jimmy LaValle auf Platte presste. Universal Themes schließt mit dem rohen Akustiksound eben da an und überrascht dann doch irgendwie.

Denn auch wenn die Songs auf Universal Themes zunächst karg und stark reduziert wirken, stecken sie voller Abzweigungen und Irrwege. Bereits beim Opener The Possum hält Kozelek die Zügel fest in der Hand und variiert das Tempo von einem typisch melancholischen Sun Kil Moon Track über einen Anstieg der Intensität inklusive Voice-Overdubs bis hin zu Gitarrenspielereien und einem Spoken Word Outro. Ein Song mit 9 Leben – und damit nicht der einzige auf der Platte.

Überhaupt ist Universal Themes kompromissloser als das gefeierte und liebenswürdige Benji. Stück um Stück wirkt Kozelek so, als würde ihm so einiges auf der Seele brennen, das er unbedingt loswerden möchte. Seine Stimme überschlägt sich immer wieder und auf Zeitvorgaben achtet er gar nicht mehr. Und wenn er wie bei With A Sort Of Grace I Walked To The Bathroom To Cry Lust hat lauter zu werden, dann wird eben ein Crazy Horse Stück daraus. Der wundervolle Abschlußtrack This is my first day and i’m indian and i work at a gas station ist bereits beim Titel fast so lang wie ein Tweet und Kozelek gibt sich darin einem Bewusstseinsfluss hin und erzählt uns von seinem Zahnarzttermin, von kranken Freundin, von seinem neuen Kätzchen und von diesem Tankstellen-Mitarbeiter im 7/11, der einfach nur nervös war. Die Songtexte, in denen Rastlosigkeit immer wieder thematisiert wird und die insbesondere hier Tagebuchaufzeichnungen ähneln könnten mit ihrer lakonischen Erzählweise und den kleinen versteckten Brüchen und Schnitten auch in einer Raymond Carver Geschichte stehen. Das dazugehörige Album ist sicherlich kein einfacher Pleaser wie Benji, wird aber definitiv zu den Höhepunkten des Jahres gezählt werden.

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