Janosch Moldau


Seit der Veröffentlichung seines Debütalbums Redeemer im Jahre 2005 liefert der gebürtige Ulmer Janosch Moldau stimmungsvolle Synthie-Popsongs ab und entwickelte seine Soundkonstruktionen Album um Album weiter. Wir haben mit Janosch über sein neues Album Minor und seine Musik gesprochen.

Zunächst einmal eine Frage für unsere Janosch Moldau Neueinsteiger. Wie würdest du jemandem, der bisher keinen Janosch Moldau Song gehört hat, deine Musik beschreiben?

Ich bin unüberhörbar ein echtes Kind der 80er Jahre. Das unterscheidet mich grundlegend von den angesagten „hipster Bands“, die „einen auf 80ies machen“, aber zu der Zeit selbst noch Kleinkinder waren und daher gar nicht real jede Nacht mit an Bord waren. 80ies ist für mich kein Stilmittel erster Wal oder etwas abstrakt musikwissenschaftliches zum Nachäffen. 80ies ist mein Blut als Musiker. Natürlich ist die 80ies Wurzel auch nur die Plastikhülle für meine Musik und daher eine begrenzte Definition. Ich schreibe ja in erster Linie Songs über Gott, die Menschen und über meine persönliche Hoffnung. Ich bin also von vielen weiteren Dingen, natürlich auch von den „dunklen Geheimnissen“ – wie der „Verschnittenheit“ und „Unversöhntheit“ der menschlichen Herzen, abseits der „80ies Disco Fabrik“ inspiriert.
janoschmoldaum
Vor allem deine Alben ‚Lovestar‘ und ‚Minor‘ machen einen sehr runden und in sich geschlossenen Eindruck. Denkst du während der Aufnahmen oder des Songwritings viel über das Konzept eines Albums nach?

Auch hier ist es nie ein von vorne herein komplett durchdachtes Konzept des Musikmachens. Mit jedem Album begebe ich mich auf eine neue kontemplative Reise und hoffe dabei immer wieder die richtige Haltung in Ruhe und Aufmerksamkeit gegenüber meinen Songs einnehmen zu können. Somit schreibe ich die Songs nicht wirklich selbst nur aus eigener Kraft heraus… Das klingt jetzt etwas mystisch… Aber es ist so…Nur durch diesen Prozess hindurch schafft es ein Song tatsächlich dann auf einem „Janosch Moldau Album“ zu landen oder eben auch nicht…

Inwiefern hat sich deine Herangehensweise an die Musik seit ‚Redeemer‘ verändert?

Seit „Redeemer“ ist natürlich einiges an Zeit vergangen. Soweit ich mich erinnere, war die Arbeit an „Redeemer“ damals geprägt vom kommerziellen Hype der „Software Sampler“ ,“Software Synthesizer“ und „Granular Synthese/Sampling“ etc. Also eine tatsächliche „digital only“- „Electronica-Pop-Platte“. Ich würde sagen seit „Lovestar“ und „Minor“ gehe ich um einiges freier an die Musik heran, als dies noch bei den ersten beiden Alben der Fall war. Mittlerweile ist es mir völlig egal mit welchen technischen Methoden oder Mitteln ich ans Ziel gelange – es muss einfach passen und zwar um der Songs willen, nicht um der Technik willen.

Kannst du uns etwas zu dem Konzept des ‚Minor‘ Albums erzählen?

Die Idee zu „Minor“ ist eines Abends in einem Albergo am Lago di Lugano entstanden. Zuvor hatte ich auf einem Spaziergang diese total schlecht aufgelösten Handyphotos mit ein paar KB Daten-Size von der einbrechenden Dämmerung gemacht. Es war eine sehr spezielle italiennische Stimmung und Lichtstreuung.

Bei den Songs war es eigentlich genauso. Ich hatte einfach einen „Anfall des Schreibens“ und habe dann dort auch alle Gesangsspuren im Zimmer des Albergos direkt in Italien aufgenommen. Sonst hatte ich noch ein paar coole Synths, ein paar alte Drumcomputer, Gitarren-Effekte und ein Macbook im Koffer dabei. Die Produktionsweise war also im wahrsten Sinne des Wortes „minor“; das Album-„Artwork“ ist es auch. Die Songs eigentlich auch. Für mich ist es keine Beleidung wenn jemand sagt, die Songs sind minder oder gar „arm“. Ich habe „arm“ schon immer auch neben der berechtigten vordergründigen materiellen Bedeutung des Wortes – im christlichen Sinne für mich weitergehend gedeutet – „arm im herzen“ (nicht dumm! viel eher klug und weise) – um es überspitzt auf den Punkt zu bringen: es geht bei „Minor“ um die innere Armut. Egal ob reich oder arm in materieller Hinsicht – auch ein Armer kann in seinem Herzen ständig nach Reichtum streben (um sich letztendlich dann auch dem materiellen Hamsterrad des Systems komplett anzupassen) und somit ist er in diesem Sinne nicht arm im positiven Sinne des Herzens.
Es geht bei Minor generell um eine positive und mindere Einstellung des Herzens – die frei macht. Nicht um eine bloße Umverteilung der Güter. Es geht um persönliche Veränderung von innen heraus. Für mich ist die persönliche Veränderung und das Eingeständnis von eigener Schuld die große Chance sich und die eigene Umwelt grundlegend zum Guten hin zu verändern. Alle meine Songs handeln davon die Verschmutzung der eigenen Seele zu allererst anzuerkennen und mit der „via purgativa“ zu beginnen. Für die explizit politischen Statements oder rein rationalen Statements gibt es ja genügend andere Bands und Kollegen.

Ich hatte den Eindruck, das der Sound auf ‚Minor‘ verspielter und etwas ‚kantiger‘ ist, als das Harmonie suchende ‚Lovestar‘. Inwiefern war Gerhard Potuznik an der Veränderung beteiligt?

Das stimmt schon. Das neue Album ist einfach sehr schnell entstanden und das hört man Minor ja auch an. Ich habe meine Aufnahmen der Songs aus Italien einfach per Internet nach Wien zu Gerhard Potuznik gesendet und wir haben uns komplett über das Netz ausgetauscht und immer wieder die Mixes und Arrangements hin und her gesendet. Dadurch wurde ich oft gezwungen schnell Grundgerüste verbindlich zu fixieren und ich glaube das hat mir sehr geholfen das Album diesmal schnell fertig zu bekommen.

Wie kam es zu deiner Zusammenarbeit mit ihm?

Ich kenne Gerhard Potuznik seit der Veröffentlichung meines Debut Albums „Redeemer“ im Jahr 2005. Als ich damals auf Labelsuche war, hatte er sich bei mir mit einem wundervollen positiven Feedback zum Album gemeldet. Das Album sollte auch direkt auf seinem eigenen Label in Wien erscheinen. Zu dieser Zeit ging aber ein sehr wichtiger Musikvertrieb pleite, an den wir mit angeschlossen gewesen wären; und somit sollte es nicht so sein. Den Kontakt haben wir aber über all die Jahre gehalten. Mit dem vierten Album sind wir nun sogar umso weiter gegangen und haben auch zusammen an der Produktion gearbeitet. Wir haben auch vor kurzem überlegt, ob wir es noch mal wagen würden für ein weiteres Album zusammen zu arbeiten.

Deine Einstellung als Musiker zu Streaming-Plattformen wie Spotify oder Apple Music?

Dazu habe ich eher eine neutrale Einstellung. Gut, dass es all diese Optionen gibt. Unsere treuesten Fans kaufen sowieso direkt bei uns im offiziellen Store. Natürlich sind wir auch froh wenn nachverhandelt wird; und die Streaming-Konditionen für Musiker generell verbessert werden, aber ich bin auch schon sehr dankbar darüber gute Vertragspartner wie Motor Music und Edel und einen sehr guten Manager zu haben.

Und wie konsumierst du Musik privat?

Ich höre fast ausschließlich Klassik Radio Sendungen und Kirchenmusik und so… Alles andere und vor allem so „fetziges Zeugs“ mag ich nicht so. Eigentlich lese ich lieber in Ruhe was.

Du bist demnächst als Support der Krupps auf Tour und warst bereits mit vielen anderen Bands unterwegs. Ziehst du es vor mit anderen Bands auf Tour zu sein oder alleine aufzutreten?

Ja sicher schon. Wir haben einfach festgestellt dass wir mit anderen, vor allem auch sehr bekannten Bands zusammen – viel mehr Kraft und Optionen haben – neue Hörer zu erreichen. Sind wir mal ehrlich, bei solchen Entscheidungen und Verträgen entscheidet mein Manager sehr rational. Ich habe mich ja zuvor jahrelang alleine durch sehr viele wirklich kleinere Clubs gespielt. Ausserdem sind wir mittlerweile eine absolut zuverlässige und heftige „Live-Maschine“.

02.09.2015 / NL / Heerlen / Nieuwe Nor
03.09.2015 / NL / Enschede / Atak
06.09.2015 / DEU / Dortmund / FZW
08.09.2015 / DEU / Frankfurt / Nachtleben
09.09.2015 / DEU / Munich / Feierwerk
10.09.2015 / CH / Luzern / Sedel
11.09.2015 / IT / Bologna / Freakout
12.09.2015 / SVK / Bratislava / MMC
13.09.2015 / AT / Vienna / Szene
15.09.2015 / FR / Paris / Divan du Monde
16.09.2015 / UK / London / Garage
17.09.2015 / DEU / Krefeld / Kufa
19.09.2015 / DEU / Berlin / K17
20.09.2015 / PL / Warsaw / Progresja
21.09.2015 / CZ / Prague / Lucerna Music Hall
22.09.2015 / SE / Malmö / Babel
23.09.2015 / SE / Stockholm / Debaser Medis
25.09.2015 / FIN / Helsinki / Nosturi
26.09.2015 / FIN / Tampere / Klubi
29.09.2015 / NO / Sarpsborg / Melkefabrikken
30.09.2015 / DEU / Hamburg / Knust

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