Home is where you buy your records #2: Black Plastic Dortmund


Black Plastic

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Es ist Montag mittag im Hochsommer und die Sonne meint es gut mit den Dortmundern. Sie verursacht Temperaturen um die dreißig Grad. Dennoch ist es proppevoll im Black Plastic an der Rheinischen Straße. „Ich hab eben bei Facebook gepostet, dass eine Oldschool Ska und Punk-Singlesammlung eingetroffen ist. Da kommen die Leute sofort,“ verrät Valentin Gube, der Besitzer des Plattenladens.

blackplasticVinyl ist gefragt. Aber das war ja nicht immer so. Daher drängt sich die Frage auf: Was ist die Motivation, einen Plattenladen zu führen – warum macht man sowas? „Letztendlich aus einer Sammelleidenschaft heraus,“ erklärt Valentin. „Ich sammle Platten, seit ich 14 bin. Vor 13 Jahren war das total out. Das hat niemanden interessiert. Ich hab das aber weiter durchgezogen. Und jeder Sammler hat nun mal den Traum, einen eigenen Laden zu haben. Als mein ehemaliger Geschäftspartner unten an der Schützenstraße einen kleinen Laden aufgemacht hat, bin ich daher recht fix dazugestoßen.Das lief ganz gut.Nur mit ein paar Kartons. Dann haben wir vor zwei Jahren den Laden hier entdeckt und uns gedacht: Okay, dann machen wirs größer.“ Und damit war der Vinylfreund genau am Puls der Zeit.„Zu der Zeit wurden Platten auch wieder Mainstream. Vinyl ist ja inzwischen total in. In aktuellen Hollywood-Filmen haben die Leute einen Plattenspieler im Wohnzimmer stehen, hier in den Laden kommen sogar unter zwanzig Jährige, die für Freunde eine Platte zum Geburtstag suchen. Vor 10 Jahren war das undenkbar. Vinyl ist jetzt ein voll etabliertes Medium. Es gibt wieder alles auf Platte. Das freut mich natürlich als leidenschaftlicher Vinylliebhaber.“

Privat hört er die frühen King Crimson Sachen und alles was in Richtung englischen Progressiv-Rock und 70er Jahre-Krautrock geht. Den eigenen Musikgeschmack berücksichtigt er beim Ankauf von Platten aber eher nicht. „Das muss man trennen. Eine Stadt wie Dortmund ist nicht groß genug, um einen spezialisierten Laden aufzumachen. Klar, die Sachen, die ich hier den Tag über auflege, das sind natürlich die Platten, die ich auch privat höre, die mir Spaß machen. Aber ich verkauf hier nicht nur Alben, die ich selber gut finde. Sowas würde gar nicht funktionieren.Das ist meiner Meinung nach aber auch das Problem von vielen Oldschool-Plattenläden. Diese Attitüde, als hätten sie den guten Musikgeschmack gepachtet. So als wüssten sie, was ist gut und was eben nicht. Ich freu mich, wenn die Leute Lust auf Platten haben und auf Musik. Klar, ich verkauf keinen Rechts-Rock, ich verkauf keinen Schlager, keine Volksmusik – weil: darauf hab ich keinen Bock. Aber ansonsten ist jeder herzlich willkommen mit seinem Musikgeschmack. Und ich versuche, in jedem Genre ein gutes Sortiment vorzuweisen.“

Neben der Auswahl machen auch verschiedene Konzerte den Plattenladen an der Rheinischen Straße zu etwas Besonderem. Nach der Umstrukturierung (seit dem 01. Juli führt Valentin, der nebenbei seinen Master macht, den Laden alleine) stehen ab Mitte August bis Oktober 15 weiter Gigs auf dem Plan. „Da kommt noch einiges,“ verspricht Valentin. Man darf also gespannt sein und sollte die Terminankündigungen bei Black Plastic im Auge behalten.

Bleibt noch, zu erörtern, wie es dazu kam. Warum ist Vinyl – in Zeiten von spotify und Co – auf einmal wieder so populär?
„Ich glaub, das hängt zum einen mit dem Retro-Trend im Allgemeinen zusammen: Vinyl als reines Lifestyle Produkt. Man sieht das ja auch an Holland-Rädern oder so. Retro ist angesagt. Außerdem geht der Trend zum bewussten Konsumieren. Stichwort: Bio-Essen oder Slowfood. Und Anbieter wie spotify ermöglichen zwar Downloads, man hat danach aber nichts in der Hand. Eine Datei besitzt man eben nicht. Die ist zwar irgendwo auf dem Rechner, der materielle Wert einer Platte ist aber einfach höher.“
Und was läuft am besten? Welche Platten finden den höchsten Absatz? „Joy Divison, Nirvana, Led Zeppelin und The Doors. Die Klassiker aus allen Zeiten sind immer gefragt.“

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