Dear Photograph


Das Konzept des Dear Photograph Projekts könnte nicht einfacher sein: „Take a picture of a picture from the past in the present“. Irgendwann sass der Kanadier James Taylor am Küchentisch und entdeckte ein uraltes Foto, auf dem sein Bruder am gleichen Tisch zu sehen ist. Taylor hielt das Foto an die korrekte Position, um seinen Bruder für einen Moment in die Gegenwart zu holen, und fotografierte es ab.

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Dieser kleine Taschenspielertrick der Nostalgie entwickelte sich zu einem herzerweichenden Fotoprojekt, dem sich tausende von Menschen auf der ganzen Welt angeschlossen haben. Es ist das sichtbare und fühlbare Loch zwischen dem was war und dem war ist, das die Ergebnisse so kostbar macht. Abgerundet wird jedes Foto mit der „Dear Photograph“ Botschaft, die der Ersteller an das Foto richtet. Schlichte Sätze wie „Dear Photograph, You´re the only memory I have left of this“ oder „Dear Photograph, I thought Dad never took a picture of me, ever. Then I noticed his reflection in the Glass, Gregg“ erzählen hier im Zusammenhang mit dem Foto mehr als eine Geschichte es könnte. James Taylor nennt die Beiträge selbst „Fenster in die Vergangenheit“.

Dear-Photograph-BenoitEin wenig erinnern die Beiträge an das Gefühl, das Irina Wernings Back To The Future Projekt verbreitet. Bei diesem Projekt wurden auf die Idee der Fotokünstlerin aus Argentinien hin alte Fotos in der Gegenwart nachgestellt und nachbearbeitet, um den Farbton der ursprünglichen Bilder anzupassen. Bei James Taylors Ansatz kommt noch die Gegenüberstellung der analogen Fotos, die häufig schwarzweiß oder vergilbt sind, und der digitalen Fotografie hinzu. Im Mittelpunkt der meisten Beiträge stehen Menschen, gelegentlich begegnen dem Besucher der Seite aber auch Tiere oder Orte, die der entsprechenden Person viel bedeuten.

Seit knapp 5 Jahren versammelt James Taylor die eingesandten Bilder und Bildunterschriften im Internet. Die Dear Photograph Internetseite wurde von der Times 2011 in der Top 10 der besten Webseiten aufgeführt und wird bis heute von Taylor Jones gepflegt. Eine Auswahl seiner 200 liebsten Ergebnisse versammelte der Kanadier in dem Buch Dear Photograph, das im HarperCollins Verlag erschien und eine wahre schatztruhe ist. Auf jeder Seite begegnen einem Erinnerungen, die für einen Moment in die Gegenwart zurückgeholt wurden und mit einer Botschaft verstehen wurden.

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