Bjarne Mädel 2


Schauspieler, die über Jahre eine Kultfigur verkörpern, sind in vielen Fällen dazu verdammt auf eine Rolle reduziert zu werden und am Ende keinen Anschluss mehr zu finden. Ein ähnliches Schicksal drohte wohl auch Bjarne Mädel, der mit dem Büro-Warmduscher zum heimlichen Star der Serie Stromberg wurde. Mädel ist es jedoch gelungen das Image seiner Figur abzuschütteln und mit dem Tatortreiniger Schotty eine weitere Kultfigur zu verkörpern, die diesmal eher der lockere Butterbrot-Typ ist. Und dies war nicht der erste Wandel in seiner Karriere. Bjarne Mädel fand nach seinem Studium der Literatur- und Theaterwissenschaft, Jobs als Hafenarbeiter und den ersten Rollen am Schauspielhaus Hamburg zum Film und wurde dank Stromberg zum heimlichen Star. Es folgten weitere Rollen in Serien wie Der kleine Mann oder Mord mit Aussicht, ehe ihm gemeinsam mit Arne Feldhusen der nächste Coup gelang. Eine Serie, in der ein Tatortreiniger im Mittelpunkt steht und die als Kammerspiel aufgeführt wird.

NDR



Die Erfolgsgeschichte des Formats könnte man mit dem Motto „Slow and steady wins the race“ zusammenfassen. Nachdem der Tatortreiniger zunächst dazu verdammt war im Nachtprogramm vor sich hin zu dümpeln, entwickelte sich die NDR-Serie dank der Mund zu Mund Propaganda im Internet nach und nach zur Kultsendung und bekam als Abräumer der Grimme-Awards 2012 die verdiente Aufmerksamkeit und bessere Sendeplätze. Wir haben mit Bjarne Mädel über seine Arbeit als Schauspieler, seine Zusammenarbeit mit Arne Feldhusen und den Tatortreiniger gesprochen.

Nach vier gemeinsamen Serienformaten könnte man Arne Feldhusen und Sie als Dreamteam bezeichnen. Wie wichtig ist es für Sie als Schauspieler mit einem harmonierenden Team und alten Bekannten wie ihm oder Mizzi Meyer zusammen zu arbeiten?

Sehr wichtig und sehr wünschenswert. Also zunächst einmal zu dem Regisseur Feldhusen: er ist ja oft mein erster Zuschauer und wir sind uns sehr einig darüber, was wir erzählen wollen. Beim „Wie“ arbeiten wir dann beide einfach sehr gern detail verliebt, fein und perfektionistisch. Auch haben wir ein sehr ähnlichen Humor und Geschmack, wenn es um Darstellung geht…das hilft.
Es gibt Kollegen, die auch aus einer Reibung oder aus einem Kampf eine enorme kreative Energie ziehen, ich komme in meiner Arbeit hingegen weiter, wenn ich aus einem gemeinschaftlichem Impuls heraus arbeiten kann. Ich geniesse es sehr mit vertrauten Weggefährten an einer Geschichte zu feilen. Das beinhaltet für mich beim Film das gesamte Team hinter der Kamera. Besonders Masken- und Kostümabteilung sind mir dabei extrem wichtig, da das Menschen sind, die den ganzen Tag an mir herumfummeln.

Können Sie uns verraten, wann es mit der nächsten Staffel Tatortreiniger weitergeht?

Sehr gern. Wir haben 3 Folgen im März/April gedreht und drehen aktuell drei weitere. Ausstrahlung dieser 6 Folgen wird dann wieder zum Jahresende im NDR erfolgen.

Vom wem kam die Grundidee zu der Serie?

Die Idee ist eine Gemeinschaftsproduktion von Arne und Bjarne..obwohl ich fairerweise sagen muss, die Idee, zu putzen, entstand in einem Gespräch zwischen Florian Lukas und mir..also , DASS geputzt werden soll und das habe ich dann Arne vorgeschlagen und Arne hat dann gesagt, WAS geputzt werden sollte…nämlich Tatorte.

Und wie verläuft die Arbeit mit Mizzi Meyer, die Sie ja auch bereits aus ihren Tagen am Schauspielhaus kennen?

Die Arbeit mit Mizzi Meyer ist sehr persönlich und sehr speziell, da sie keine „Auftrags Schreiberin“ ist… Wir tauschen uns aber intensiv aus..wünschen uns dann manchmal etwas und sie schreibt zunächst was völlig anderes..aber später tauchen dann oft Motive aus unseren Gesprächen auf. Wir lieben und bewundern ihre Arbeit und versuchen dann ihrer Vorlage gerecht zu werden und hier und da noch etwas hinzuzufügen…ohne sie zu verärgern.

Mit Schotty verkörpern sie eine Figur, die sich durch die abgebrühte Art recht klar von Ernie oder Rüdiger unterscheidet. War nach Stromberg die Befürchtung groß nur noch Rollen als „liebenswerter Warmduscher“ zu bekommen?

Da Stromberg meine erste größere Rolle im deutschen Fernsehen war, ist mir erst danach klar geworden, wie schnell man Gefahr läuft, in eine Schublade gesteckt zu werden. ich habe tatsächlich weitere Angebote bekommen, die in diese Richtung gingen…und mich auch deshalb bemüht, mich für meine weiteren Rollen vor der Kamera so weit das authenthisch möglich war zu verändern.

Haben Sie mit Arne Feldhusen bereits einen Tatortreiniger-Film angedacht? Die Fangemeinde im Internet wäre mit Sicherheit auch hier an Bord.

Ja. Klar. Nach der durchweg positiven Erfahrung mit Stromberg, haben wir davon auch schon mal geträumt. Aber Stromberg kam nach 46 Folgen ins Kino. Schotty wird bis August 24 mal geputzt haben, da is also noch büschen Luft.

Und es muss ja auch einen inhaltlichen Grund geben. Also eine Geschichte, die nicht in unserer üblichen halben Stunde zu erzählen ist, sondern einen längeren Bogen benötigt, damit der Film nicht nur eine etwas „aufgeblasene“ weitere Folge ist. Aber auch da haben wir mit Mizzi schon mal „drauf-rum-gedacht“.

Hafenarbeiter, Literaturwissenschaftler, Theater- und Filmschauspieler, Dichter und Hörspielsprecher. Sie haben in ihrem Leben bereits so manche Wendung genommen. Gibt es etwas, dass Sie beruflich noch unbedingt tun oder erreichen möchten?

Es gibt noch einige Menschen, deren Arbeit ich sehr sehr schätze, mit denen ich gern einmal arbeiten würde. Ich möchte auch wieder Theater spielen und kann mir vorstellen, irgendwann eines Tages auch mal Regie zu führen.

Zum Abschluß noch eine Frage zu einem anderen Projekt. Was hat es mit dem CRO Film auf sich, bei dem Sie ebenfalls mitspielen?

Till Schweiger und Tom Zickler, die diesen Film produzieren, haben mich am Rande der Jupiter Preisverleihung gefragt, ob ich eine kleine Rolle übernehmen würde. Das hab ich gemacht. Ich habe CRO dann beim Drehen ohne Maske gesehen und ich glaube, ich kann es jetzt hier einfach mal verraten.. unter der Panda Maske steckt …gut, ich sag`s einfach : es ist Dieter Hallervorden.


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