Kasabian – 48:13


Eingebettete Intros sind wir von den Engländern ja gewohnt: Kein Opener der Alben kommt ohne aus. Denken wir an das großartige Club Foot, noch immer einer meiner persönlichen Höhepunkte bei ihren Konzerten, oder den Anfang von Underdog. Nun also mit Shiva ein eigenständiges Intro
zu ihrem fünften Album 48:13.

Kasabian werden alles, nur nicht langweilig. Nach einer Minute und sieben Sekunden geht es dann richtig los, Bumblebee legt ordentlich vor und deutet an, in welche Richtung die musikalische Reise gehen soll. „Get them a message, a message from me.“ Ein Song, wie für Festivals geschrieben, auf denen die Masse nach Einbruch der Dunkelheit in Extase wogt und springt. Stevie reiht sich nahtlos ein und…dann kommt mit Mortis ein Interlude, das das Tempo erstmal rausnimmt, ehe Doomsday das Gaspedal wieder durchtritt. Treat, der sechste Track auf 48:13, thematisiert textlich und musikalisch einen Abend, an dem so einiges im Argen liegt, die Versorgung mit Alkohol und möglicherweise auch anderen Substabzen jedoch gewährleistet zu sein scheint. Die Clubs und dunklen Ecken Leicesters, aus deren Umgebung die Band stammt, geben scheinbar noch immer genug Inspiration für Songs im Stile eines Romans von William S. Burroughs. Dazu gesellen sich immer wieder diese Töne, von denen man nicht weiß, ob es nun eine extrem verzerrte Gitarre, oder die noch extremer verzerrte Stimme von Bandboss Sergio Pizzorno ist, der neben Sänger Tom Meighan auch gern mal zum Mikrofon greift.

Der Song Glass ist der wohl politischste, den die Band jemals geschrieben hat. „We are taught to watch the puppets, not the hands controlling“ ist sowas wie die Punchline, ehe eine Erzählerstimme die Friedens- und Gleichheitsbewegungen der 60er und 70er rekapitulieren lässt und sich fragt, wann wir aufgehört haben, an unsere Ideale zu glauben. Folgerichtig geht es mit Explodes düster weiter, diesmal jedoch auf einer persönlicheren Schiene, die an Kafka denken lässt. In diesem Moment sind wir unglaublich weit weg von den ersten Tracks. Logisch, dass mit Levitation zwangsläufig das dritte und letzte Interlude folgt, ehe Clouds, ein eher mittelmäßiges Stück, das Album wieder in eine andere Richtung dreht. Die erste Auskopplung Eez- eh kommt dann dermaßen poppig daher, dass es kaum verwundert, wenn man meint, im Hintergrund die Happy Mondays heraus zu hören. Man merkt, mit welcher Musik die Band in den Clubs groß geworden ist. Um so mehr verwundert, dass direkt im Anschluss mit Bow ein Lied folgt, dass sich mit Beziehungen befasst, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind, aber doch geführt werden, nur um dann in einer schmerzhaften Trennung zu enden.

S.P.S., der letzte Song, ist wie gemacht für das letzte Stück eines Albums oder eines Konzerts. „Didn’t we all have the greatest night, the greatest life? Here’s a song how the time flies.“ Damit zitiert sich die Band dann doch noch selbst, denn das Ende wirkt wie eine Kopie von Happiness, dem letzten Track auf dem meiner Ansicht nach besten Kasabian-Album West Ryder Pauper Lunatic Asylum. Die Band erfindet sich mit 48:13 nicht neu, macht aber eine ganze Menge richtig und wird niemanden enttäuschen. Auf den Parties der hiesigen Studenten-WGs ist das neue Album von Kasabian die Platte, die diesen Sommer in den Zimmern der „coolen“ Mitbewohner laufen wird.