Austra – Olympia


Es waren glückliche glückliche Menschen, die Austra vor einigen Jahren aus dem Domino-Hut zauberten. Der Rest ist eine kleine Erfolgsgeschichte: der Synthiepop von Austra wurde zum Liebling der Hypeblättchen, der Name Austra immer wieder als Geheimtipp weitergeflüstert und die Zeile ‚Don’t Wanna Lose You, don’t wanna lose‘ in der Dauerwiederholung zum Sommermantra. Nun veröffentlicht die Band aus Toronto ihren zweiten Longplayer.

Das Markenzeichen des Debüts ‚Feel It Break‘ war die einzigartige Stimme der Sängerin Katie Stelmanis, für die Stück für Stück das passende Ambiente geschaffen wurde. Beim zweiten Longplayer verhält es sich ähnlich. Passend hierzu steht sie im Fokus des Cover-Artworks. Die frühen Alben ihres Domino-Nachbarn Cat Power sollen Katie Stelmanis zu einigen Songs inspiriert haben. In der Kategorie ‚Geheimnisvolle Stimmungsbilder‘ kann Cat Power hier auch durchaus als Referenz herangezogen werden. Sonst denkt man beim Hören jedoch eher an eine Mischung aus Bat For Lashes und The XX. Kate Bush? Fever Ray? Ja, vermutlich sogar Depeche Mode.

Ein Geisterhauch umwabert bereits die ersten Klänge der Platte und führt den Hörer langsam in den von Beats angetriebenen Hintergrund. Der Opener ‚What We Done?“ baut sich langsam vor dem Hörer auf und erstrahlt erst nach drei Minuten in seiner vollen Pracht. Die Songs der Kanadier entfalten auch auf ‚Olympia‘ trotz des Popanschlags nur langsam ihren Zauber, lullen den Hörer mit Minimalismus ein und schnappen dann spätestens beim zweiten Durchgang mit voller Kraft zu. Direkt die Hose runterlassen und um den Hörer werben ist eben nicht das Austra-Prinzip. Im Vergleich zum Debüt der Band, fällt der Sound hier breiter aus. Der Synth-Pop weicht hierbei öfters anderen Instrumenten. Textlich geht es auf ‚Olympia‘ wieder oft um Zweisamkeit oder deren Abwesenheit. Dabei schafft es Katie Stelmanis das Dringen von Zeilen wie you know that it eats me when you don’t come home at night / my body can’t rest unless you’re sleeping by my side (‚Home‘) zu unterstreichen, ohne im übertriebenen Pathos zu ertriken.

Insbesondere mit der zweiten Single ‚Painful Like‘ wachsen Austra über sich hinaus. Der Song zählt neben ‚Fire‘ zu den stärksten Stücken der Platte und entfaltet mit der ständigen Wiederholung der Zeile ‚Who will carry?“ einen ähnlichen Sog wie ‚Lose It‘ vor zwei Jahren. Mit gelegenhtlichen Tempowechseln (‚Hurt Me Now‘) oder zarten Stilbrüchen (‚You Changed My Life‘) sorgt die Band für mehr Spannung. So entpuppt sich ‚Olympia‘ als ein würdiger Nachfolger, der Liebhabern der Band ein Glückseligkeit bereiten dürfte.