Tim Hardin


Tim Hardin

Hin und wieder vergisst die Musikgeschichte ihre größten Helden. Nach und nach werden sie immer seltener erwähnt, bis sie langsam in Vergessenheit geraten. So ist es beinahe mit Tim Hardin geschehen. Der einst einflussreiche Songwriter, dessen Songs von Künstlern wie Nico („Eulogy To Lenny Bruce“), Scott Walker („Lady Came From Baltimore“) und Bob Dylan („If I Were A Carpenter“) gecovert wurden, wird in den Rock- und Folk-Chroniken nur noch in Fusszeilen erwähnt. In diversen Standartwerken, die die Musik der 60er und 70er einfangen, wird er nicht einmal genannt. Dabei ist die Entdeckung seiner Musik mehr als empfehlenswert.

Geboren wurde Timothy James Hardin 1941 in Eugene, Oregon. Nachdem er bereits mit 18 Jahren die Schule verliess, verbrachte er einige Jahre als Marine in Vietnam. Dort begegnete er ebenfalls den Drogen, die ihn sein übriges Leben lang begleiten und ihm schließlich das Genick brechen sollten. In den 60ern verbrachte er mehrere Jahre im legendären Greenwich Village und war dort Teil der blühenden Folk Szene. Auch beim legendären Woodstock stand Tim Hardin auf der Bühne. Der Auftritt gilt jedoch zu den Schwachpunkten des Festivals. Oft werden hierbei die Drogen als Hauptgrund genannt. Schließlich stünde er den gesamten Tag lang unter Einfluss von Drogen, weshalb sein Auftritt ebenfalls auf die späten Abendstunden verlegt wurde. Dabei lag Hardins mäßige Leistung insbesondere am Sound. Der Musiker kämpfte vom ersten Ton an gegen Feedbacks und den miserablen Ton auf der Bühne und spielte sich durch ein kurzes Set aus 10 Songs.

Bereits während der Aufnahmen seiner ersten beiden – und auch erfolgreichsten Alben – „Tim Hardin 1“ und „Tim Hardin 2“ litt der Musiker unter seiner Drogensucht. Konzentrationsschwächen und schlicht geistige Abwesenheit machten die Aufnahmen immer wieder zu einem Problem. Einige Streicherarrangements auf dem ersten Album wurden vom Produzenten hinzugefügt und von Tim Hardin im Anschluss verteufelt. Teilweise konnte sich Hardin hierbei nicht einmal an die Aufnahme der Songs erinnern. Umso erstaunlicher ist das homogene und überwältigende Ergebnis, das Tim Hardin und sein Produzententeam auf diesen beiden Alben abgeliefert hat. Stücke wie „Green Rocky Road“ zeichnen einen sanften Folk, der aufgrund des Gesangs immer wieder an Soulmusik angrenzt. Im Anschluss an das Livealbum „Tim Hardin 3“ folgte mit „Tim Hardin 4“ eine Platte, auf der sich Tim Hardin zum ersten mal mehr mit dem Blues beschäftigt hat.

Zu den beeindruckendsten Werken gehört „Suite for Susan Moore and Damion-We Are-One, All in One“. Um die hellen Momente Tim Hardins direkt einzufangen und die Störung durch den Drogenkonsum so gering wie möglich zu halten, wurde das Album in Tim Hardins Haus aufgenommen und die Aufnahmen in ihrer rohen Schönheit belassen. Hier wechseln sich die Songs des Künstlers mit Spoken Word Passagen. Was auf dieses Glanzstück folgte waren starke Drogenprobleme und unkreative Alben wie „Nine“ oder „Painted Head“. Im Anschluss an „Nine“, das 1973 erschien, zog sich der Musiker gezwungenermassen zurück. Kurz vor seinem Tod spielte Tim Hardin das legendäre „The Homecoming Concert“, das von seinem Freund Phil Freeman organisiert wurde. Hier erleben wir einen deutlich mitgenommenen Künstler, der jedoch noch immer unheimlich viel Charme und Vitalität versprüht. Das Konzert wurde posthum veröffentlicht und zählt neben des unvollendeten Albums „Unforgiven“, das fast schon die Leichtigkeit und den Glanz alter Tage hervorruft, zu den wenigen Spätwerken Hardins. 1980 starb Tim Hardin an einer Überdosis Heroin und Morphin.

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