Neil Halstead – Palindrome Hunches


Neil Halstead hat in seiner Karriere mehrere Metamorphosen vollzogen und entwickelte sich vom Shoegaze-Helden (Slowdive) über den Indie-Zauberer (Mojave 3) hin zum einsamen Solisten. Knapp 20 Jahre nach dem Release des legendären Slowdive Albums ‚Souvlaki’ lebt der 42jährige Songwriter inzwischen in Cornwall und legt uns nun mit ‚Palindrome Hunches‘ sein drittes Soloalbum vor.

Dieses wurde an einem einzelnen Wochenende an einer Grundschule aufgenommen und erscheint beim shoegazeaffinen Label Sonic Cathedral. Der Einfluss britischer und schottischer Songwriter wie Nick Drake oder Bert Jansch ist auch auf ‚Palindrome Hunches’ allgegenwärtig. Insbesondere die verspielten Gitarrenpickings, entlang derer Halstead die 26 ihm zur Verfügung stehenden Buchstaben in den schönsten Kombinationen wie an einer Wäscheleine aushängt, wahren diese Tradition. Bedroom-Folk möchte man diese verträumte Musik, die uns seit des Debüts ‚Sleeping On Roads’ so an´s Herz gewachsen ist, nennen. ‚Wittgenstein’s Arm‘ heißt das Glanzstück dieser Platte. Es handelt nicht von Ludwig Wittgenstein, sondern erzählt die traurige Geschichte seines Bruders Paul Wittgenstein, der im ersten Weltkrieg einen Arm verlor und sich daraufhin trotz aller Hindernisse mit voller Hingabe versuchte sich als Pianist durchzusetzen. „Digging Shelters“, „Full moon rising“ und der Versuch eines musikalischen Palindroms ‚Palindrome Hunches’ wären weitere Musterbeispiele der Wärme und Melancholie, die dieses Album an allen Ecken prägt.

Mit einem Herz aus Gold und doch tief im britischen Folk verwurzelt, liefert Halstead ein weiteres Meisterstück seiner Karriere ab. Und auch wenn er gerade irgendwo im weit entfernten Cornwall Rasen mäht oder sich die Zähne putzt, auf ‚Palindrome Hunches’ überbrückt er mit seiner wohlig weichen Stimme ein weiteres mal die Entfernung zum Hörer, rückt so nahe wie nur möglich an uns heran und macht all den Wahnsinn ein ordentliches Stück erträglicher.