Dark Dark Dark – Who Needs Who


Wenn zwei Mitglieder einer Band eine Beziehung eingehen und diese dann zerbricht, ist das nicht auch selten das Aus für die Band, man nehme zum Beispiel Rilo Kiley oder (zumindest vorübergehend) Sonic Youth. Dark Dark Dark aus Minneapolis gingen einen anderen Weg: Nachdem sich die beiden Gründer Nora Marie Invie und Marshall LaCount im vergangenen Jahr getrennt hatten, legte das Sextett eine mehrmonatige Pause ein, um dann doch wieder zusammen ein Album aufzunehmen. Auf ’Who Needs Who’ setzt sich die Band mit der Trennung auseinander und analysiert, was schief gelaufen ist.

Es ist wohl wenig überraschend, dass Dark Dark Dark ihrem Namen noch nie so viel Ehre gemacht haben wie bei den zehn Songs von ’Who Needs Who’. Das ganze Album ist von einer tiefen Traurigkeit erfüllt, die jedoch nie in Bitterkeit übergeht. Stattdessen nimmt Invie die verschiedenen Gefühle, die eine Trennung mit sich bringt, unter die Lupe. “Tell Me“ beispielsweise behandelt das Vermissen und die Sehnsucht nach Vergangenem: I want to live in the time when you cherished me. Oh, to go back to the place, when you hands moved over me. Tell me it’s there, just beyond me. Tell me you’re saving it for me. In “Patsy Cline” hingegen überwiegt die Einsicht, dass die geschmiedeten Pläne sich nach dem Auseinandergehen in Luft aufgelöst haben: And I thought we’d meet up in a week or two and we’d slow-dance to Patsy Cline at the bar, but now that you’re gone, my life goes on. In “How It Went Down” wiederum geht es darum, wie sich der Umgang miteinander verändert hat: I am young and you are young and we grow. Now you are young and it feels like I’ve grown old. So take your time, my feeling ‚round you can be so cold. Take your time, I’ll see you somewhere when seasons unfold.

Dark Dark Dark gehören sicherlich zu den hörenswertesten Bands, die gemeinhin im New Weird America/Freak Folk-Genre angesiedelt werden, wobei sie auf ’Who Needs Who’ weniger “schräg“ klingen als auf ihren anderen Alben. Die Scheibe fußt auf dem sanften, melancholischen Klang des Klaviers, bietet aber immer noch so viele andere interessante Ideen, dass sie nie langweilig wird. Am Ende des Titeltracks etwa zieht das Tempo plötzlich an und die Bläser übernehmen das Kommando, bevor die Musik wieder in die schwermütige Ausgangsstimmung zurückfällt. “Hear Me“ ist eine Soundcollage aus Chorgesang, Trompete, dunklem Schlagzeug und widerhallenden Gitarreneffekten, die fast ohne Text auskommt; das wummernde “Without You“ erhält durch das Akkordeon Chansonflair.

Als Hörer kann man sich kaum vorstellen, wie es für die Invie und LaCount gewesen sein muss, dieses Album aufzunehmen. Man kann ihnen nur dankbar sein, dass sie es getan haben. ’Who Needs Who’ ist ein tief berührendes Werk voll wunderschöner Musik, die trotz des Schmerzes auch immer etwas Tröstendes hat. I will never get tired of singing you songs.