The Mountain Goats – Transcendental Youth


Die Diskographie der Mountain Goats bringt jede Datenbank an ihre Grenzen. Darunter finden sich Platten mit Songs über Schweden, Freunde, gescheiterte Kinderstars, Krankheiten, Religion und immer wieder love love love. Über 600 sollen es inzwischen sein, zählen kann das aber längst keiner mehr. Füllmaterial sucht man hierbei vergeblich. Da hast du einmal kurz nicht aufgepasst und Zack, wieder eine großartige EP oder ein Album der Mountain Goats verpasst. Nun gibt es mit ‚Transcendental Youth‘ das neueste Werk der Band.

Seitdem der Songwriter sich kurz nach der Jahrtausendwende vom LoFi-Sound verabschiedet hat, ist der Output zumindest etwas kleiner geworden, von einem Verstummen des best non-hip hop lyricist (New Yorker) kann hier jedoch zum Glück noch lange nicht die Rede sein. Nach dem düsteren und schwer verdaulichen ‚All Eternals Deck‘ geht die Band um Darielle musikalisch einen Schritt zurück. Bereits beim Opener fühlt man sich an den antreibenden Folkrock der ‚Heretic Price‘ Platte erinnert. „Cry for Judas“ wäre ein weiterer Beispiel für die Uptempo-Spielfreude der Goats. Eine kleine Bläserarmee positioniert sich hier um Darnielle herum und gibt in Begleitung der Band alles.

Dabei sind jedoch auch diese vermeindlich fröhlichen Songs häufig in schwarze Galle getränkt und mit klagenden Reimen wie Long black night / morning frost / I’m still here / but all is lost (Cry For Judas) geschmückt. Opener „Amy aka Spent Gladiator 1“, den Darinelle kurz nach dem Ableben des Popstars Amy Whinehouse schrieb, schließt beispielsweise an die melancholischen Stücke über verstorbene Stars wie Kurt Cobain an. Und auch das wunderschöne „Harlem Roulette“ kann in der Kategorie ‚Songs über ausgebrannte Sterne‘ einsortiert werden. Der Song erzählt die Geschichte des Frankie Lymon, eines Rhythm and Blues Künstlers, der an einer Überdosis starb. All dies in eine Sprache gekleidet, die nur Darnielle weben kann. Dies ist auch der Song, in dem der Mountain Goat Zeilen wie The loneliest people in the whole wide word are the ones you’re never going to see again anschlägt, die dir nach dem Hören der Platte lange im Gedächtnis bleiben werden. Hier wird jedoch trotz aller Melancholie und Traurigkeit nicht schwarz gemalt, sondern schwarzes mit Pastellfarben verziert.

Und auch wenn die Songs nicht ganz so catchy ausfallen wie die Großtaten des ‚Heretic Pride Albums und hin und wieder den letzten Biss vermissen lassen, um „Transcendental Youth“ zu Darnielless Magnus Opum zu machen, entwickeln sie den allseits bekannten Sog und nisten sich blitzschnell im Herzen des Hörers ein. Anders können die Songs einfach nicht. ‚Transcendental Youth‘ ist ein weiteres Glanzstück dieser großartigen Band. Doch mal ehrlich, wer hätte auch etwas anderes erwartet?