Kiss – Monster


Als Kiss 1975 ihr legendäres Album ‚Alive!‘ veröffentlicht haben, hatte mein Vater ein großes Kiss-Poster in seinem Zimmer. Irgendwann habe ich es zwischen alten Schallplatten und Möbeln auf dem Dachboden entdeckt und mir meinen Vater im Kiss-Style vorgestellt. Zu ‚Strutter‘ Luftgitarre spielend, wild und weit entfernt von Herzproblemen, grauen Haaren und dem Ernst des Lebens. Fast 40 Jahre später ist die Band noch immer im Geschäft und denkt im Gegensatz zu meinem Vater gar nicht daran dem Rock´n´Roll den Rücken zu kehren.

Hinter den schwarzweißen Masken, die Kiss nur kurzfristig in den 80ern abgelegt haben, stecken auch anno 2012 Gene Simmons und Paul Stanley. Die beiden Ur-Kisser werden um den Gitarristen Tommy Thayer und den Drummer Eric Singer ergänzt. Der neueste Streich der Altrocker entpuppt sich sehr schnell als eine einwandfrei funktionierende Zeitmaschine. Insbesondere ‚All for the Love of Rock & Roll‘ und ‚Hell Or Hallelujah‘ könnten ebenfalls die 70er Jahre Alben schmücken. Von unnötigen Schnörkeln und den Entwicklungen der vergangenen zwei Jahrzente halten die Rocker noch immer nichts. Natürlich wirken die Songs teilweise wie mit einem Bleistift über Pauspapier und die Hits alter Tage drüber gerubbelt, doch wen juckt das schon? Sie können eben nicht anders als rocken.


Der Sticker auf dem neuesten Album der Kultband gibt bereits die Richtung an: „No Filler! No Ballads!“. Der lustig geschminkte Vierer schickt sich bereits in den ersten Takten an das Versprechen zu erfüllen und rockt den Hörer direkt mit dem Opener ‚Hell Or Hallelujah‘ an die Wand. Losgelassen wird erst am Ende der 12 Stücke, die voller Riffs und Gesangsharmonien stecken.

Anspruchsvolle Lyrics und die Herzscheisse kann man sich woanders holen, Kiss stehen heute wie 1975 für Rock, Spaß und satte Riffs. Am Songwriting waren sämtliche Kiss-Mitglieder beteiligt. So geht die großartige Rockhymne “All For The Love of Rock & Roll” auf den Drummer Eric Singer zurück, während die eigenwilligen Stellen des Openers und “Shout Mercy” Paul Stanley zugeschrieben werden können.

Mit dem Make Up, der Rock-Attitüde und dem Retro-Charme erschrecken die 4 Musiker heutzutage natürlich nicht einmal Großmütter im Supermarkt. Die Gesten der Rebellion sind einem Augenzwinkern gewichen. Geblieben ist der gigantische Spaß, den ihre Musik auch im Jahre 2012 verbreitet.