Norbert Aping – Laurel und Hardy auf dem Atoll


Laurel und Hardy, in Deutschland auch besser bekannt als Dick und Doof, sind wohl tatsächlich unsterblich. Der naive Stan Laurel und sein dominanter Freund Oliver Hardy. Ein Komiker-Duo aus Zeiten verstaubter schwarzweiß Fotos, auf denen unsere Großeltern ernst schauen. Überlebt haben die Filme und das Image der beiden Figuren bis heute. Selbst die Generation Schießmichttot, die sich meist von barbusigen Blondinen, Jackass und Vera tut Gutes oder Supernanny unterhalten lässt, kann mit Laurel & Hardy etwas anfangen. Grund dafür ist die Unschuld und der unvergleichbare Charme der beiden. Nun wurde ausgerechnet dem Film Atoll K, der häufig als trauriger und unwürdiger Schlusspunkt der fast makellosen Karriere der beiden Komiker angesehen wird, ein Buch gewidmet.

Und mit Buch ist im Fall der Arbeit von Norbert Aping keines dieser üblichen Bilderbücher über Dick und Doof und ihre lustigen lustigen Filme mit kurzen Kommentaren und Bildunterschriften gemeint. Die französisch-italienische Filmproduktion, die den europäischen Markt würdigen sollte, mischte die typische Slapstick-Einlagen der beiden Hauptdarsteller mit Satire-Elementen vermischt. Durch diverse Probleme und Fehler scheiterte das Projekt jedoch fast und entwickelte sich zum Flop.

Auf 170 Seiten geht der Autor ausführlich auf die Entstehung, den Inhalt und die Rezeption des Films ein. Norbert Alpig gelingt es tatsächlich den zunächst recht unspannend wirkenden Aufbau (über 50 Seiten, die sich ausschließlich den unterschiedlichen Fassungen eines Films widmen?!) mit Inhalt zu füllen, der den Leser fesselt. Die ins endlose gehenden Dreharbeiten an dem Film, der Gesundheitszustand der beiden Ikonen (insbesondere Stan Laurels sichtbarer Verfall) und das babylonische Verwirrspiel um die unzähligen Filmversionen, die das Werk teils völlig verunstalten, sind Stoff genug für ein interessantes Sachbuch. Norbert Alpigs Arbeit interessiert auf mehreren Ebenen. Zum einen ist es ein faszinierendes Zeitzeugnis über das Filmgeschäft der 50er Jahre, eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Films, ein nahes Portrait der beiden Komiker aus einer ungewöhnlichen Sicht und letztendlich vor allem die Geschichte eines gescheiterten Filmprojektes.

Für mich lag die Faszination des Films in dem Bruch. Die beiden amüsanten Figuren, die unsterblich jung und harmlos erscheinen, plötzlich gealtert, müde und gebrochen zu erleben. Nach der Lektüre des Buchs wurde jedoch klar, dass hinter dem Film deutlich mehr steckt. Natürlich rehabilitiert Norbert Apings Arbeit nicht das mittelmäßige Filmergebnis. Dies ist — wie der Autor immer wieder erwähnt — auch nicht sein Ziel. Es gelingt ihm jedoch tatsächlich vieles zu erklären und den Film in ein neues Licht zu rücken.

Ein mit viel Mühe und Liebe zusammengefügtes Puzzle.