Kid Kopphausen – I


Frohe Kunde! Nils Koppruch, der einst mit der Trennung von Fink mein Herz brach und es kurze Zeit später mit seinem ersten Soloalbum zusammenflickte, hat ein musikalisches Techtelmechtel mit Gisbert zu Knyphausen. Die Wurzeln dieses musikalischen Monopols liegen in den ersten Soloauftritten von Nils Koppruch, bei denen Koppruch den Newscomer Gisbert zu Knyphausen als Support einlud. Ihr gemeinsames Ziehkind nennt sich dementsprechend Kid Kopphausen und das gemeinsame Debüt bietet das Beste von beiden benachbarten Welten.

So könnte sich das wundervolle ‚Schritt für Schritt‘ ebenfalls unter die Stücke der beiden Nils Koppruch Alben mischen und treibende Uptempo-Stücke wie ‚Das Leichteste der Welt‘ würden auch dem ‚Hurra! Hurra! So nicht‘ Album von Gisbert zu Knyphausen gut stehen. So richtig gemeinsam an einem Strang ziehen die beiden insbesondere beim Opener ‚Hier bin ich‘. Hier teilen sie sich die Vocals und hauen dem Hörer Zeilen wie Ich bin verwundet und verdächtig ich bin verliebt und unersetzlich mit viel Wucht und Gefühl um die Ohren.



In den übrigen Stücken steht einer der beiden Songwriter im Vordergrund und wird von seinem Mitstreiter leise unterstützt. Das passt und klingt gut. So tänzeln die beiden Nordlichter im Rahmen der zwölf Nummern zwischen Seemannsromantik, Countrywurzeln und Rock. Stets den richtigen Ton treffend und an keiner Stelle peinlich. Wie man es bereits von Gisbert und Nils kennt, steckt die Platte voller Zeilen, die man sich auf die Brust tätowieren möchte: Und wenn wir uns vermissen dann nur weil wir glücklich waren (‚Jeden Montag‘) wäre da ein Beispiel. Ich hab nach Schätzen gegraben ich stand knietief im Dreck / Ich hatte meinen Kopf in den Wolken und auf einmal war er weg / Ich hatte die Taschen voller Gold ich durchkreuzte das Meer / Und ja ich hatte mal eine Heimat aber das ist lange her (‚Wenn ich dich gefunden hab‘) Ach, der Körper ist für all das zu klein und die Brust zu schmächtig, um all die schönen Sätze der beiden zu tragen.

Hinter den Reglern stand hierbei Swen Meyer, der bereits für die Produktion zahlreicher Alben aus der GHVC-Familie zuständig war und auch beim Kid Kopphausen Debüt den richtigen Ton trifft. Der Sound ist nicht überladen und erinnert an die Solowerke der Songwriter. Durch die verschiedenen Einflüsse und die Tempowechsel klingt die Fusion an keiner Stelle langweilig.