3 Festivals / 3 Countries #2: Haldern Pop 2012


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Auch knapp 30 Jahre nachdem einige Ministranten auf dem Gelände im Rheinland die initiale Haldern-Fete feierten, hat das Haldern beim Booking spannender Neuentdeckungen in Deutschland die Nase vorn. Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Haldern trotz des enormen Andrangs auf das knappe Kartenkontingent dem Wachstum konstant verweigert und lag damit auch in diesem Jahr auf dem richtigen Weg.

Kein Stress, keine übertriebenen Menschenmassen, ein gut auserwähltes Programm voller Überraschungen und die Gewissheit von Musikliebhabern umgeben zu sein. Der einzige Versuch sich zumindest beim Line Up den Massen zu beugen und alles heran zu holen, was Rang und Namen hat, wurde von dem Wettergott 2005 mit einem 3 Tage langem Platzregen und eine Schlammschlacht abgestraft. Seitdem konzentrieren sich die Veranstalter auf eine gute Mischung aus altbekannten Bands und Neuentdeckungen und fahren damit genau richtig.
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Dabei fiel das Programm 2012 mit einem bunten Haldern-Poppourre so vielschichtig wie selten aus und schaffte es für Altherren (Afghan Whigs, Wilco), Entdecker (A Winged Victory For The Sullen, Nigel Wright, Skinny Lister) und die Party-Jugend (Oberhofer, Der König Tanzt) die richtigen Acts zu buchen. Der kurze Donnerstag, der eigentlich ursprünglich als Warm Up gedacht war, wurde in diesem Jahr zum Höhepunkt. Ergreifend (A Winged Victory for the Sullen), episch (War On Drugs), magisch (Charles Bradley) und tanzbar (Apparat), am Donnerstag gab es beim Haldern das Rundum-Glücklich-Paket. Dabei konnte man bis auf die große Bühne bereits hier die unterschiedlichen Spielstätten wie das atmosphärisches Spiegelzelt, die neue Biergartenbühne, die Bar oder gar Kirche ausprobieren.

Eine weitere Besonderheit 2012 war die Band Skinny Lister, die mit ihrem Piraten-Folk im Laufe der drei Haldern-Tage überall auf dem Gelände und im Dorf Überaschungsauftritte gab. Nach dem grandiosen Donnerstag gab es auch an den übrigen beiden Tagen neben viel (zu viel) Sonne und der obligatorischen gemütlichen Ausflüge in das Dorf noch einige große Höhepunkte wie das energische Comeback der Afghan Whigs, Damien Jurado oder Niels Freverts und Thees Uhlmanns Solo-Show. Einziger Wehrmutstropfen war der äußerst müde Auftritt von Wilco, bei dem die Band im Schatten alter Tage ihr Set herunterleierte und selbst bei sicheren Nummern irgendwie müde wirkte. An der Begeisterung, mit der die Haldern-Fans in einigen Monaten auch das gesamte Kartenkontingent für’s Haldern Pop 2013 nach kurzer Zeit blind an sich reißen werden, wird dies mit Sicherheit nichts ändern. Zu spaßig war der Rest und zu besonders all die magischen Momente.

Hier unsere Übersicht über einige der Höhepunkte:

Ein Auftritt voller Testosteron und Schweiß. Nach vielen Jahren sind die Afghan Whigs zurück und spielten beim Haldern einen ihrer wenigen Auftritte. Mit dabei Klassiker wie ‚Gentlemen‘ oder ‚Crazy‘ und die ersten Anzeichen einer neuen Platte (hoffen wir´s).

Soul, Sex & Magic. Der alte Mann, der am Ende doch nocht eine Chance bekam, seine Musik bekannt zu machen, gab einfach alles und verzauberte alle mit seinem Charisma.

Endlich hat Damien Jurado, der sich in den letzten Jahren vom scheuen Melancholiker zum extrovertierten Entertainer entwickelte, den Weg zum Haldern gefunden. Ein wundervoller Auftritt inklusive eines Singalongs mit allen Zuschauern.

Man muss Dan Mangan einfach lieben. Wie der smarte Songwriter auf der Bühne steht und Songs wie How Darwinian zwischen Herz brechen und einem leichten Schmunzeln rüber bringt, ist einfach nur großartig.

Engagierter Rock, der Spaß macht. Die Band hat die kurzweiligen Songs ihrer Time Capsules II Platte perfekt rüber gebracht und zur späten Stunde das Zelt wach gerockt.

Das ist so, als wenn Bruce springsteen in Dreampop baden würde, sagt jemand begeistert vor der Bühne. Und verdammt recht hat er. Seit Jahren zeigt der Qualitätspfeil bei The War On Drugs nach oben. ‚Slave Ambient‘ ist der bisherige Höhepunkt der Band und wurde am Donnerstag Abend perfekt insziniert.

 

 

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