Code 46


code 46

Angefangen bei cleveren Literaturverfilmungen (Laurence Sterne, Thomas Hardy) über den Musikporno „9 Songs“ bis hin zu Familiendramen und politischen Stellungnahmen („Road To Guantanamo“, „In This World“). Mit jedem seiner Filme schlägt Regisseur Michael Winterbottom einen Haken und glänzt in einem anderen Gewand. Mit Code 46 gelang dem Briten ein Meisterstück, das bei der Kritik und den Zuschauern jedoch kaum Beachtung fand. Eine intelligente Dystrophie zwischen Godards Alphaville und Wong Kar Wais unmöglichen Stadtromanzen.

Die Geschichte? Die Welt ist geteilt in zwei Gruppen. Die Menschen, die geschützt in den Städten leben und sich an den Errungenschaften des Fortschritts erfreuen dürfen, und den vogelfreien Außenseitern, die außerhalb der Städte leben. Hauptfigur William Geld (Tm Robbins) soll als Agent ein Unternehmen untersuchen, das beschuldigt wird die Zugangspapiere zur Metropole zu fälschen. Im Laufe seiner Untersuchungen verliebt er sich in die Arbeiterin Maria Gonzales (Samanth Morton). Der Rest der Geschichte ist eine futuristische und durchaus bewegende Version des ‚unmögliche Liebe‘ Themas, die in traumhafte Bilder verkleidet ist.

Winterbottom’s Zukunftsvision in Code 46 protzt nur am Rand mit futuristischen Gadgets. Es sind eher die politischen und gesellschaftlichen Verhätnisse, die bei Code 46 in den Mittelpunkt gerückt werden. Kar Wai’s Hong Kong weicht bei Winterbottom dem futuristisch anmutenden Shanghai, in dem die Menschen eine Art Esperanto sprechen. Die Aufnahmen der Stadt erinnern tatsächlich an Zukunftsvisionen, obwohl der Film an echten Schauorten gedreht wurde und nur selten zu futuristischem Schnickschnack greift. Diese Verwendung der gegenwärtigen Schauplätze als Zukunftsvision erinnert stark an Godards „Alphaville“. Die sterile Glitzermetropole steht dabei ästhetisch in einer wundervollen Spannung zum warmen Shoegaze-Soundtrack, für den The Free Association zuständig sind.

Der gesamte Film wirkt dank der Bildästhetik und der Musikbegleitung wie eine Traumvision, durch die der Zuschauer gleitet. Subsumiert wird dies am Ende durch William Gelds Sohn, der in einem der optisch stärksten Momente des Films „Life is but a dream“ singt und damit den Kern trifft.