Of Monsters and Men – My Head Is An Animal


Die isländische Band Of Monsters and Men legt gerade eine Karriere hin, von der die meisten anderen Musikgruppen nur träumen können: 2010 gewannen sie in ihrer Heimat den renommierten Musikwettbewerb Músiktilraunir, ein Jahr später sorgte ein Seattler Radiosender dafür, dass sie auch international bekannt wurden. Ihre erste Single „Little Talks“ erreichte in Island Platz 1, das dazugehörige Video wurde inzwischen auf YouTube über vier Millionen Mal angeklickt. 2011 erschien die EP ’Into the Woods’ und nun also ihr Debütalbum ’My Head Is an Animal’, das sich, wen mag es noch wundern, verkauft wie geschnitten Brot.

Was macht die Faszination der sechs Musiker mit den unaussprechlichen Namen aus? Der amerikanische Rolling Stone verglich Of Monsters and Men mit Arcade Fire, warum bleibt allerdings sein Geheimnis, denn musikalisch haben die beiden Bands, abgesehen davon, dass sie sowohl über einen Sänger als auch über eine Sängerin verfügen, wenig gemeinsam. Of Monsters and Men erinnert eher an eine andere ähnlich erfolgreiche Band: Mumford & Sons. Wenn man bei deren Musik die Bluegrass-Elemente durch Pop ersetzten würde, ist man schon ziemlich nah dran an dem Sound von Of Monsters and Men. Wie die Briten machen die Isländer Musik, die auf der einen Seite extrem eingängig ist, auf der anderen Seite aber noch mit so vielen hübschen Ideen aufwartet, dass auch anspruchsvollere Hörer nicht gelangweilt sind. Pop für Fortgeschrittene, quasi.

Da ist zum einen der hohen Mitsingfaktor mit den ganzen „Hey-Hey-Hey“- und „La-la-la“-Chören, aber dann auch diese Klangexplosionen von Bläsern, Akkordeon, Klavier etc., die einen immer wieder etwas neues entdecken lassen, etwa bei “Dirty Paws“, “King and Lionheart“, “Lakehouse“, oder eben „Little Talks“. Hinzu kommt, dass die Band mit Arnar Rósenkranz Hilmarsson einen Drummer hat, der es vermag, viele interessante Akzente zu setzen. Neben den instrumentenreichen Titeln gibt es aber auch etwas reduzierte Folksongs wie “Sloom“ oder „Love Love Love“.


’My Head Is an Animal’ ist wie gemacht für den Frühling: Die Musik ist so bunt und abwechslungsreich wie ein frisch erblühter Garten. Die Texte sind zudem stark von der Natur beeinflusst; sie sind mysteriös und auch traurig, was bei der insgesamt fröhlichen Musik jedoch meist untergeht. Darin liegt auch eine Gefahr: Bei der hohen Radiotauglichkeit von ’My Head Is an Animal’ steht zu befürchten, dass das Album bald an jeder Ecke läuft wie seinerzeit ’Sigh No More’, bis man es irgendwann nicht mehr hören kann. Das wäre wirklich schade.