Mount Eerie – Clear Moon


Wer Phil Elverum’s Musik und Photoarbeiten kennt, stellt sich den großgewachsenen Amerikaner als eine Art ‚Baron auf den Bäumen‘ vor. Wie Calvinos Romanfigur, hat sich Elvarum in die Naturlandschaft seiner Heimat zurückgezogen und zieht aus ihr die nötige Inspiration. Den zeitgenössischen Rotz der Großstadt tut er sich nur an, wenn er eines seiner unzähligen Alben oder Photoarbeiten vorstellt. Nachdem der Songwriter und Soundkünstler mit ‚Wind’s Poem‘ ein famoses Ambientewerk mit tonnenschweren E-Gitarren eingespielt hat, gibt er sich mit seinem neuen Werk ‚Clear Moon‘ wieder deutlich leichter.

‚Clear Moon‘ ist in Elverums neuem Studio ‚The Unknown‘ entstanden. Dabei handelt es sich um ein uraltes Kirchengebäude in seiner Heimat Anacortes, Washington. Dementsprechend spannend ist auch der Sound, den er den alten Gemäuern und insbesondere den Räumen zwischen den Gemäuern entlocken kann. Vocals, Echos, diverse Analoge instrumente und Gegenstände bündeln sich hier zu Klängwänden, auf denen Elvarum mit seinen Songs schwimmt. Während die Schönheit von ‚Wind’s Poem‘ noch tief unter einer Decke schwerer Gitarren bedeckt lag, liegt sie hier offen. Das Album beginnt mit einer Fortsetzung des wundervollen ‚Through The Trees‘ (Wind’s Poem). Die Gitarren spielen hier wieder Ping Pong wie einst bei ‚The Pull‘ und werden damit jedem Microphones-Fan ein Jubeln entlocken. Für die weiblichen Backing Vocals in Songs wie ‚The Place I Live‘, ‚Over Dark Water‘ oder dem erwähnten ‚Through The Trees Part 2‘ sorgen Geneviève Castrée (Ô Paon) und Allyson Foster. Stellenweise fühlt man sich beim Hören der Platte wie in einem Schloss. Phil Elvarum sorgt jedoch immer wieder dafür, dass der Pathos nicht über die Schönheit hinauswächst. Selbst ‚Lone Bell‘, das mit den verrückten Bläsern und dem dominierenden Schlagwerk wohl die größten Räume aufreisst, entpuppt sich beim wiederholten Hören als ein .

Alles richtig gemacht. ‚Clear Moon‘ ist eine wundervolle Symbiose aus den frühen Microphones/Mount Eerie Arbeiten und dem letzten Ambientmonster ‚Wind’s Poem‘. Mal wieder ein Ausflug in die Naturlandschaft des State Of Washington. Berge, Vulkane, die hohen Bäume der Red Woods, Mystik, Nebel und unendlich viel Schönheit.