Joe Pug – The Great Despiser


Vielleicht erinnert ihr euch noch: Vor einigen Monaten schrieb ich an dieser Stelle über Joe Pug und den Einfluss, den seine Musik auf mein Leben hatte. Kürzlich ist nun Joes zweites Album erschienen: ’The Great Despiser’, das in Deutschland bisher allerdings nur als Import zu haben ist.

Für Joe selbst gab es einige Veränderungen im letzten Jahr, so ist er von Chicago nach Austin gezogen, um die reiche texanische Songwriting-Kultur zu studieren. Inwieweit sich sein neuer Wohnort auf ’The Great Despiser’ ausgewirkt hat weiß wohl nur er selbst, fest steht, dass das Album eine enorme musikalische Weiterentwicklung darstellt. Während sein Debüt ’Messenger’ eher folkig ist und größtenteils ohne Begleiter aufgenommen wurde, ist ’The Great Despiser’ ein echtes Band-Album. Sowohl von den Arrangements als auch von den Stilrichtungen her ist es um einiges abwechslungsreicher als Vorgänger: Es gibt straighten Rock wie “Stronger than the world“ oder den Titelsong (auf dem übrigens Craig Finn von The Hold Steady mitsingt), einen Country-Walzer (“The Servant’s Ace“) und sogar einen Hauch R’n’B (“Ours“). Schlichte, hübsche Folksongs sind aber auch wieder mit dabei, etwa “Those Thankless Years“, “One of Many“ oder “A Gentle Few“. Das alles ist gespickt mit gezupften Geigen, schwelgerischen Steel Guitars, zartem Klavierspiel und einer Marimba.


Das Beste an Joes Songs sind aber immer noch die Texte. Oft spricht eine Lebenserfahrung aus ihnen, dass man kaum glaube kann, dass der Autor erst Ende Zwanzig ist. Meine Lieblingsstelle ist diese Zeile aus “A Gentle Few“: “The years that I been through, I met a gentle few who say that they love and they mean it. The others that I met, they’re decent folks I guess, but all that they love is achievement.” Diesbezüglich kann er wirklich mit den ganz großen seiner Zunft mithalten: Bob Dylan, Leonard Cohen, Neil Young und Tom Waits. Neben den “philosophischeren“ Texten erzählt er aber auch Geschichten, etwa in “The Servant’s Ace“, das von einem Diener (oder eher einem Sklaven) handelt, dessen Eigentümer einen Vogel gekauft haben, der jedoch nicht für sie, sondern nur für den Protagonisten singt. Der einzige Song auf dem Album, der nicht von Joe stammt, ist “Deep Dark Wells“ von Harvey “Tex“ Thomas, der das insgesamt eher traurige Album auf einer hoffnungsvollen Note enden lässt: „As long as you’re not finished you can start all over again.“

In diesem Sinne hoffe ich, dass Joe noch lange nicht fertig ist. ’Messenger’ war schon ein großartiges Album, aber bei ’The Great Despiser’ hat er es geschafft, noch einmal eine Schippe drauf zu legen. Man darf wirklich gespannt sein, wie es mit ihm weitergeht.