Father John Misty – Fear Fun


Wer träumt nicht manchmal davon, sein Leben hinter sich zu lassen und in einer neuen Stadt mit einem neuen Namen neu anzufangen? Josh „J.“ Tillman hat es getan. Im letzten Jahr verließ er nicht nur die Fleet Foxes, für die er seit 2008 getrommelt hatte, sondern auch das heimische Seattle und reiste die Westküste hinab. Er schrieb ein Buch und landete ausgerechnet im Laurel Canyon, dem Rockmusik-Mekka der Sechziger Jahre, dem ehemaligen “hippie-fantasyland“, wie Tillman es nennt. Nach sieben Soloalben unter dem eigenen, abgekürzten Namen nutzte er den Ortswechsel und erfand sich ein Alter Ego: Father John Misty. “I never liked the name Joshua, I got tired of J.“, meint er dazu selbst in “Everyman needs a companion” (das nicht nur vom Titel her an Neil Young erinnert)

‘Fear Fun’ bedient sich dann auch ganz stark an der musikalischen Tradition Südkaliforniens und klingt, als wäre es schon vor vierzig oder fünfzig Jahren aufgenommen worden. Harry Nilsson, Roy Orbinson, Gram Parsons, CCR, Grateful Dead, The Band, die Stones und die Beatles – sie alle scheinen auf die eine oder andere Weise Pate gestanden zu haben. Dazu kommt der atmosphärische Chorgesang, der an die Fleet Foxes erinnert. Mit dem alten J. Tillman hat die Musik jedoch nicht mehr so viel zu tun: Statt Folk gibt es hier üppig instrumentierte Songs, die nicht nur enorm abwechslungsreich sind, sondern oft auch verdammt sexy klingen. Der Opener “Funtimes in Babylon“ ist ein mandolinen-gestützter Psych-Popsong, “I’m Writing a Novel“ flotter Folk-Rock, “Tee Pees 1-12“ ein Countrytitel in bester Nashville-Manier, um nur einige zu nennen. Einzig das grungige “Hollywood Forever Cemetery Sings“ fällt etwas aus dem Rahmen.


Auch textlich knüpft Tillman an die Sechziger Jahre an: Die Songs sind voll abgedrehter Träume, wie sie sich auch auf Bob Dylans frühen Alben finden. „Weird-ass songs about weird-ass experiences“, nennt Tillman das. Sprechende Hunde tauchen ebenso auf wie Heidegger und Sartre, die zusammen Tee trinken, und auf Richard Brautigan wird natürlich auch Bezug genommen. Nicht zu vergessen die unzähligen Damen, die bei der Beerdigung des „Ladiesman“ auflaufen, um um ihn zu weinen.

Auch wenn man beim Hören häufiger denkt „das kommt mir doch irgendwie bekannt vor“, ist ’Fear Fun’ ein bemerkenswertes Album voll unwiderstehlicher Melodien. Es würde mich nicht überraschen, wenn Father John Mistys Gospel die Massen bald ähnlich begeistert wie die Fleet Foxes. Look out Hollywood, here he comes.