Chuck Palahniuk – Damned


In der Hölle gibt es kein W-Lan, ‚Der Englische Patient‘ läuft auf Repeat und auch sonst ist es eher ein ungemütlicher Ort. Mit ‚Damned‘ legt uns der berühmte US-Autor Chuck Palahniuk seine Version des Infernos vor.

Ja, noch immer ist Chuck Palahniuk mein Lieblingsautor. Noch immer hat kein lebender Schriftsteller sprachlich so sehr meinen Kern getroffen und mich so sehr beeindruckt. Doch dann dümpelten die letzten Palahniuk Romane irgendwo zwischen recht gelungenen Schreibübungen (‚Tell All‘) und völlig fehlgeschlagenen Romanen nach dem Schema-P (‚Pygmy‘). Die Figuren wirkten blass, die Spitzen wollten so gar nicht sitzen und die Geschichte driftete irgendwann mehr denn je ab. Nach den mäßigen letzten Veröffentlichungen war sein neuer Roman ‚Damned‘ daher kein Grund mir Leseurlaub zu nehmen und mich direkt auf das Buch zu stürzen. Kann sich Palahniuk mit seinem neuesten Werk rehabilitieren?

Die Hauptfigur in Palahniuks neuestem Werk ist die 13jährige Madison, die nach ihrem Ableben in der Hölle landet. Und wenn Sie schon die Ewigkeit in der Hölle verbringen muss, dann macht sie es sich gemütlich und versucht sich ein wenig zu akklimatisieren. So lernen wir mit Madison die Hölle kennen, die stark an einen Freizeitpark des Ekels und Horrors erinnert (also unserer Erde nicht so fern ist), und erfahren einige Dinge über ihre Vergangenheit als sterblicher Mensch. Und auch wenn bei den Lesungen zu ‚Damned‘ bei weitem nicht so viele Menschen ohnmächtig werden wie bei den Lesungen seiner Kurzgeschichte Guts, bricht Palahniuk auch bei Bedarf Tabus und nimmt keine Rücksicht auf den Leser.

‚Damned‘ kommt Palahniuks großen Würfen wie ‚Diary‘, ‚Choke‘, ‚Rant‘, ‚Snuff‘ oder ‚Fight Club‘ streckenweise sehr nahe. Einige Abschnitte wie die Beschreibung von Madisons Mutter, die Ihren Tag damit verbringt die Webcams Ihrer zahlreichen Wohnsitze zu beobachten, gehört zu den besten Passagen, die er je verfasst hat. Immer wieder schafft er es in ‚Damned‘ mit Witz und Charme den endlosen Exzess unserer Kultur auf den Punkt zu bringen und die Funktion der Popkultur als Ersatz für Kirche darzustellen.

Wo liegt denn nun das Problem bei diesem Roman? Es ist nicht wie bei Douglas Coupland, der nach den präzisen und lebendigen ‚Generation X‘, ‚Microserfs‘ und ‚Girlfriend In A Coma‘ von der Zeit scheinbar überholt wurde und nur noch Modebegriffe wie IPod und populäre Themen aufgreifen und um sich werfen kann. Palahniuk steht wie kein anderer Schriftsteller mitten in unserer Gesellschaft und in der Literaturszene. Er sammelt noch immer makabre Anekdoten und Geschichten, unternimmt sonderbare Projekte, seine Homepage ist eher ein Literaturmagazin mit Rezensionen und Kurzgeschichten, die seine Anhänger und Schüler verfasst haben. So strotzt er nur vor Ideen und Geschichten, die er auch hier unter einen Hut bringen möchte. In ‚Damned‘ schafft es Palahniuk wieder sehr gut seiner Hauptfigur eine glaubhafte Stimme zu geben und den Zeitgeist zu treffen. Wie jedoch bereits bei ‚Survivor‘ entgleitet ihm die Geschichte recht schnell. Zum Ende hin verliert der Leser die Bindung und ist von der Megalomanie und den ständigen Wiederholungen eher gelangweilt.

‚Damned‘ ist ein gelungener Roman, in dem ‚Palahniuk‘ sich in alter Form zeigt und seine spannenden Sprachspiele und Querverweise mit einer unterhaltsamen Geschichte mischt, jedoch zum Ende hin über die eigene Geschichte stolpert.